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Brennende Häuser am 18. September in Thantlang im Chin-Staat Brennende Häuser am 18. September in Thantlang im Chin-Staat 

Myanmar: Weitere Angriffe auf Kirchen und Wohngebäude

Die Kämpfe zwischen der Militärjunta und ethnischen Milizen in einzelnen Bundesstaaten halten an. Immer wieder geraten dabei zivile Gebäude und Kirchen unter Beschuss, zuletzt schlugen am Dienstag in der katholischen Herz-Jesu-Kathedrale in der Diözese Pekhon Raketen ein. Örtliche Christengemeinden sprechen von gezielten Angriffen.

Am 9. November war die katholische Herz-Jesu-Kathedrale unter Beschuss gekommen - mutmaßlich von der Militärjunta. Die Kirche gehört zur Diözese Pekhon und liegt im südlichen Teil des Shan-Staates im Osten Myanmars. Nur acht Meilen von der Stadt entfernt kämpfen lokale Widerstandsmilizen gegen die Armee.

Pater Julio Oo, Priester der Diözese Pekhon, verurteilte gegenüber der Agentur Fides den Raketenangriff auf die Kirche als „verabscheuungswürdige Tat, die verurteilt werden muss." Der Kirchenkomplex sei ein Ort der Zuflucht und Sicherheit in der allgemeinen Instabilität eines gewaltsamen Konflikts. Hunderte von Einheimischen würden Zuflucht bei der Kathedrale suchen. Während lokale Widerstandsmilizen nahe der Stadt gegen die Armee kämpften, „verstärken solche grundlosen Gewaltakte gegen Zivilisten und Kultstätten die Frustration der Jugend und ihren Protest gegen die Armee. Wir sind besorgt: Für die Streitkräfte werden die Kirchen zunehmend zum Ziel von Angriffen", fügte der Priester hinzu.

„Wir sind besorgt: Für die Streitkräfte werden die Kirchen zunehmend zum Ziel von Angriffen“

Örtliche Quellen aus der christlichen Gemeinschaft halten die Angriffe auf Kirchen für beabsichtigt. Denn „sie sind das Herzstück der Gemeinschaft, und indem sie sie zerstören, wollen die Soldaten die Hoffnung der Menschen zerstören".

Militärakte gegen Kirchen und Wohngebäude häufen sich

Der Angriff auf die Kathedrale ist nur ein Beispiel von vielen Gewaltakten des Militärs, die sich gegen zivile Gebäude richten. In den letzten Tagen hatten Militärstreitkräfte auch Häuser und eine Baptistenkirche im Dorf Ral Ti in der Gemeinde Falam im burmesischen Bundesstaat Chin verwüstet und niedergebrannt. 134 niedergebrannte Häuser sowie zwei weitere zerstörte christliche Kirchen waren es in der Stadt Thang Tlang, ebenfalls im Bundesstaat Chin. Es soll sich um Vergeltungsakte an den örtlichen Rebellen gehandelt haben.

UN-Sicherheitsrat schaltet sich ein

Der UN-Sicherheitsrat brachte daraufhin seine „tiefe Besorgnis" über die jüngsten Unruhen in Myanmar zum Ausdruck. Er forderte die Streitkräfte zu einer „sofortigen Beendigung der Gewalt" sowie zu Anstrengungen auf, um sicherzustellen, dass Zivilisten nicht zu Schaden kommen. Auch verurteilte der Sicherheitsrat in der Erklärung vom 10. November Zusammenstöße zwischen Junta-Truppen und Kämpfern einer großen militanten Gruppe im Bundesstaat Rakhine. Diese würden Bemühungen um eine Rückkehr der vielen Binnenvertriebenen und insbesondere der Rohingya-Flüchtlinge in die Region ernsthaft bedrohen.

Hintergrund

Die Militärjunta in Myanmar, die im Februar 2021 die nationale Regierung stürzte, steht unter Druck. Dabei kämpft sie nicht nur um internationale Legitimation, gegen den Trend vor allem westlicher Staaten, an ihrer Stelle die zivile Exilregierung anzuerkennen, und gegen zunehmende internationale Isolation. Auch in Myanmar selbst muss sich die Junta verteidigen - gegen einzelne ethnische Milizen, die ihre Unabhängigkeit und größeren Einfluss fordern. Zu kriegerischen Zusammenstößen und großen Flüchtlingsbewegungen war es schon vor dem Militärputsch Anfang Februar gekommen, doch dieser befeuerte die bewaffneten Konflikte neu.

Besonders betroffen sind die Randregionen. Kämpfe gibt es vor allem im Rakhaing-Staat, wo unter anderem im Norden die besonders von Verfolgung betroffene muslimische Minderheit der Rohingya lebt, im Shan-Staat sowie in Kachin, Chin und Kayah, in denen viele Christen leben.

(fides/ucanews – gh)

 

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11. November 2021, 13:09