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Migranten aus Haiti auf dem Weg in die USA Migranten aus Haiti auf dem Weg in die USA 

Mexiko: Migrantenpfarrer kritisiert „willkürliche" US-Politik

Als „geradezu willkürlich" hat der mexikanische Priester Alejandro Solalinde die US-amerikanische Einwanderungspolitik bezeichnet. Die Botschaft, dass sich unter dem neuen Präsidenten Joe Biden grundsätzlich etwas ändern werde, sei „falsch und gefährlich" gewesen, urteilte er im Interview der Zeitung „Die Welt" (Dienstag).

Schon vorher habe es „einen großen Sog-Effekt in Richtung USA" gegeben, so Solalinde. Dieser habe sich nun aber verstärkt.

Ungefähr 80 Prozent der Durchreisenden in Mexiko hätten dort bereits Arbeit gehabt und sich dennoch erneut auf den Weg gemacht, berichtete der Geistliche. Dabei dürften wohl auch Ankündigungen einer weniger restriktiven Migrationspolitik unter Präsident Biden einen Beitrag geleistet haben. Jedoch „sind solche Signale aus den USA ein Dilemma", kritisierte Solalinde. Auch entsprächen diese kaum der Realität: „Mal dürfen Kubaner einreisen, dann wieder nicht, das Gleiche galt für einige Haitianer. Es gibt Sonderregelungen für unbegleitete Minderjährige, die zwischenzeitlich ausgesetzt und verändert wieder in Kraft traten."

Endstation Mexiko

Der Weg nach Norden ende für Migranten derzeit in Mexiko, betonte Solalinde. Besonders schlimm sei die Situation für Haitianer, „deren Land sich in eine Hölle verwandelt hat". Auch Menschen aus Nicaragua, „deren Land sich unter Daniel Ortega in eine Diktatur verwandelt hat", seien besonders gefährdet: Wenn sie nach Nicaragua zurückgebracht würden, schwebten sie dort in Lebensgefahr. „Denn sie gelten als Verräter."

Europa braucht Migration

Die europäischen Staaten forderte Solalinde auf, Migranten stärker als „Ressource für die Zukunft Europas" zu betrachten. Manche europäischen Regierungen und Staatenführer machten sie „zum Spielball ihrer Machtpolitik". Dabei könne Europa sich diesen „Luxus" nicht leisten: „Wer sich die Demografie der Industrieländer Europas anschaut, weiß, dass Migranten in Zukunft mehr gebraucht werden denn je."

„Ressource für die Zukunft Europas“

Der 76-jährige Priester gilt als Unterstützer des mexikanischen Präsidenten Andres Manuel Lopez Obrador und war zu Beginn von dessen Amtszeit auch als dessen Beauftragter für die Migrationspolitik im Gespräch. Solalinde hat zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte gegründet und erhielt unter anderem den Nationalen Menschenrechtspreis der Katholischen Kirche.

(kap/kna – gh)

23 November 2021, 10:52