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Eine Hinduistin im Gebet Eine Hinduistin im Gebet  (ANSA)

Indien: Sorge um Anti-Konversionsgesetz

Kirchenvertreter in den Bundesstaaten Madhya Pradesh und Karnataka berichten über zunehmenden Druck auf Christen durch Hindu-Nationalisten und kritisieren in diesem Kontext den Missbrauch eines Gesetzes gegen Religionsübertritte.

Die Christen im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh seien zutiefst besorgt über die von radikalen Hindu-Aktivisten eingeleitete Kampagne zur Bekehrung der einheimischen Bevölkerung, berichtete „Kirche in Not“ (ACS) Italien. „Unsere Leute haben Angst, weil radikale Hindu-Gruppen Druck auf die einheimischen Christen ausüben, damit sie ihren Glauben an das Christentum aufgeben“, sagte Pater Rocky Shah, der Öffentlichkeitsbeauftragte der katholischen Diözese Jhabua, gegenüber dem Hilfswerk.

Anti-Konversionsgesetz schürt antichristliche Gewalt in Zentralindien

In diesem Bezirk mit einer indigenen Mehrheit machten die Christen vier Prozent der Bevölkerung aus. „Hindu-Aktivisten führen Kampagnen gegen Priester und Pastoren, die christliche Gemeinden leiten, und haben gedroht, unsere Kirchen abzureißen, unter der falschen Anschuldigung, sie seien illegal auf dem Land der Ureinwohner gebaut worden“, so der Priester weiter. Mehr als 300 Polizisten wurden eingesetzt, um die katholische Kathedrale und andere kirchliche Einrichtungen zu bewachen, fährt Pater Shah fort, „doch wird Druck auf die [Distrikt-]Verwaltung ausgeübt, christliche Priester und Pastoren vorzuladen und sie aufzufordern, persönlich vor dem Distriktbeamten zu bestätigen, ob sie mit Gewalt Christen geworden sind“.

Im Januar 2021 verabschiedete die Regierung von Madhya Pradesh ein Anti-Konversionsgesetz, das Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren vorsieht, wenn jemand unter Verstoß gegen das Gesetz zu anderen Religionen als dem Hinduismus, insbesondere dem Christentum und dem Islam, konvertiert. Dasselbe Gesetz erlaubt es jedoch jedem, von anderen Religionen zum Hinduismus zurückzukehren, da es sich lediglich um einen Fall von „ghar vapasi"“ (Heimkehr) handelt. Madhya Pradesh gehört zu den acht der 28 indischen Bundesstaaten, in denen Gesetze gegen Konversion gelten. In anderen Bundesstaaten, in denen die Bharatiya Janata Party an der Macht ist, werden ähnliche Gesetze in Erwägung gezogen.

Pater Shah ist der Ansicht, dass das neue Antikonversionsgesetz eine Verfolgung von Christen darstellt. Seit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden mehr als ein Dutzend Christen, darunter auch Priester, inhaftiert und Gebetsversammlungen unter dem Vorwurf der religiösen Bekehrung verhindert, ein Vorwurf, den jeder ohne Beweise erheben kann. „Selbst ein Akt der christlichen Nächstenliebe kann als Bekehrungsversuch interpretiert werden“, sagt Shah.

„Unsere Pastoren und auch ich werden von der Bezirksverwaltung vorgeladen, um unseren christlichen Hintergrund nachzuweisen“, sagte Paul Muniya, Hilfsbischof der in Jhabua ansässigen Shalom Pentecostal Church. „Ich bin am 22. September vor dem Beamten erschienen, jetzt werde ich erneut vorgeladen. Ich werde die Gelegenheit nutzen, um meinen Glauben vor dem Beamten zu bezeugen, denn ich habe nichts zu verbergen“, fügte er hinzu.

Christen erwägen rechtliche Schritte, wenn die Belästigung und Verfolgung durch radikale Hindu-Gruppen anhält. „Wir werden mit der Verwaltung zusammenarbeiten, denn wir haben nichts zu verbergen“, sagte Pater Shah, ebenfalls ein indigener Priester. „Unsere Immobilien, einschließlich der Kirchen, wurden legal und mit Genehmigung der Regierungsbehörden gebaut.“ Der Priester beschuldigte Hindu-Aktivisten, mit falschen Behauptungen Verwirrung zu stiften. „In vielen Fällen reservieren Pastoren einen Raum in ihren Häusern für das Gebet und dies wird als illegale Kirche bezeichnet“, sagte er. Hindu-Aktivisten hätten 56 christliche Führer, darunter Priester und Pastoren, beschuldigt, illegale religiöse Bekehrungsversuche zu unternehmen. Die örtlichen Behörden hätten mehrere christliche Führer vorgeladen. Pater Shah begrüßte jedoch, dass die Beamten der Beschwerde nachgehen - er vertraue darauf, dass „die Wahrheit nach der Untersuchung ans Licht kommt“.

Sorge um Missbrauch des Gesetzes auch in Karnataka

Auch im Süden Indiens hatte Erzbischof Peter Machado von Bangalore die Regierung des Bundesstaates Karnataka zum Verzicht auf das geplante Gesetz gegen Religionsübertritte aufgefordert. Das Antikonversionsgesetz könnte von Randgruppen missbraucht werden, um das Recht in die eigene Hand zu nehmen und den gesellschaftlichen Frieden in Karnataka durch Schüren von Unruhen zu stören, sagte Machado dem Pressedienst „Ucanews“.

Am Vorabend des Treffens des indischen Premierministers Narendra Modi mit Papst Franziskus im Vatikan hatte ein von verschiedenen christlichen NRO erstellter Bericht mit dem Titel „Christen unter Beschuss in Indien" 300 antichristliche Vorfälle im Jahr 2021 verzeichnet.

(pm acs/ucanews – pr)

 

30 Oktober 2021, 11:42