Suche

Vatican News
Bethlehem in Zeiten von Corona Bethlehem in Zeiten von Corona  (ANSA)

Heiliges Land: Hoffen auf neue israelische Regierung

Der Kustos des Heiligen Landes, Francesco Patton OFM, sieht durchaus positive politische Signale in Israel, die auch die Friedensgespräche mit den Palästinensern fördern könnten. Das sagt der Ordensgeistliche im Gespräch mit Radio Vatikan.

Mario Galgano und Francesca Sabatinelli – Vatikanstadt

Hoffen gehöre zum Christsein, so Patton im Gespräch mit uns. „Aber diesmal kommt auch ein zusätzliches Element hinzu, nämlich die Tatsache, dass sowohl der neue israelische Ministerpräsident Naftali Bennett als auch die Mitglieder der Koalition schon in ihren ersten Worten ausdrücklich davon gesprochen haben, eine andere Sprache verwenden zu wollen als die, die in der letzten Zeit verwendet wurde, um den Ton zu versachlichen.“ Es gehe darum, nicht länger eine Sprache zu sprechen, die Gewalt und Hass wecke - nicht nur zwischen Israel und Palästina, sondern auch innerhalb des israelischen Staates.

Zum Nachhören - was der Kustos im Heiligen Land über die Lage vor Ort sagt

„Die neue politische Führung scheint in einigen Interviews eine gewisse Bereitschaft zu zeigen, einen Dialog zum Friedensprozess wieder aufzunehmen und somit einen Weg zu finden, der dazu führt, dass Juden und Palästinenser gemeinsam auf demselben Land leben können. Sicherlich gibt es diesbezüglich Hoffnung.“

Impfkampagne macht Hoffnung

Und Hoffnung mache ihm auch der Einsatz Israels zur Überwindung der Pandemie, der weltweit vorbildlich sei. Israel war das erste Land, das eine Massenimpfung durchführte - und jetzt spreche man von einem „covid-freien“ Land.

„Es ist auch klar, dass die Pandemie in diesem Land dennoch eine sehr ernste soziale und wirtschaftliche Situation geschaffen hat, die viele Schichten der Gesellschaft schädigt. Doch von einem gesundheitlichen Standpunkt aus würde ich sagen: Was Israel in Sachen Impfung getan hat, war vorbildlich. Es war schnell, effektiv und gut organisiert - genau das, was man braucht.“

Proteste in Bethlehem
Proteste in Bethlehem

Ohne Arbeit und ohne Einkommen

Es sei aber auch klar, dass während der Pandemie ein großer Teil der Bevölkerung ohne Arbeit und ohne Einkommen geblieben sei, in Israel und - noch schlimmer - in den palästinensischen Gebieten.

„Es ist deshalb absolut notwendig, der Wirtschaft und vor allem der Beschäftigung von Christen zu helfen, vor allem im Hinblick auf Palästina und auf das Gebiet von Bethlehem. Dort ist es unerlässlich, die Pilgerfahrten und den Tourismus wieder anzukurbeln, weil die Bevölkerung in der Gegend von Bethlehem davon lebt. Deshalb mein Appell an alle: Besuchen Sie Bethlehem.“

„Wir hoffen, dass im Laufe des Sommers die Pilgerfahrten wieder in nennenswertem Umfang beginnen“

In der Geburtsstadt Jesu gebe es eine bedeutende Präsenz von Christen, auch der Bürgermeister sei ein Christ, erinnert der Kustos des Heiligen Landes.

„Wir hoffen, dass im Laufe des Sommers die Pilgerfahrten wieder in nennenswertem Umfang beginnen. Wir hoffen auch, dass dies natürlich mit einiger Sicherheit für die Gesundheit der Leute durchgeführt wird, dass die Verordnungen aber das Reisen nicht zu kompliziert machen.“

„Zusätzlich zu den Hilfen an Schulen gibt es auch ein Gefühl der Dringlichkeit bei der lokalen Bevölkerung, wenn es um die Entwicklung des Landes geht.“

Patton weist darauf hin, dass die Kustodie während der Pandemie ohne jede Art von Einkommen in den Heiligtümern auskommen musste. Auch den Umstand, dass die Heilig-Land-Kollekte verschoben und allgemein schwieriger geworden sei, hätten sie zu spüren bekommen. Er rechnet nur noch mit etwa der Hälfte der Spendeneinnahmen im Vergleich zur Zeit vor Covid. Trotzdem halte die Kustodie an den Hilfen für Schulen und das Gesundheitswesen im Heiligen Land fest, versichert Patton:

„Wir haben im vergangenen Jahr eine Zunahme der Hilfsanfragen für medizinische Hilfe und ähnliche Dinge erhalten. Dies ist die eigentliche Dringlichkeit. Zusätzlich zu den Hilfen an Schulen gibt es auch ein Gefühl der Dringlichkeit bei der lokalen Bevölkerung, wenn es um die Entwicklung des Landes geht. Und damit meinen die Menschen vor allem eines: eine sichere Arbeitsstelle zu haben.“

(vatican news)

18 Juni 2021, 13:06