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Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina  (REUTERS)

Bosnien-Herzegowina: Kardinal Puljic fordert mehr EU-Engagement

Mehr Engagement der EU in Bosnien-Herzegowina wünscht sich Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo. Ein EU-Beitritt seines Landes wäre sehr wichtig, so Puljic im Interview mit dem „Tiroler Sonntag“ (aktuelle Ausgabe).

Aktuell habe es aber den Anschein, als wäre Bosnien zu einer Spielwiese ausländischer Mächte geworden. „Die USA, Russland und die Türkei verfolgen hier sehr stark ihre eigenen Interessen. Es scheint so, als könnte sich die EU zu keiner gemeinsamen Haltung durchringen.“ Dabei könnte Bosnien etwa sehr viel an Erfahrung einbringen – „etwa aus dem Zusammenleben von drei Völkern und drei Religionen“, so Puljic.

Zum Dialog mit den anderen Religionen in Sarajevo befragt, bedauerte der Kardinal aber, dass die Situation derzeit sehr angespannt sei. „Das hat damit zu tun, dass politische Fragen das Zusammenleben ungemein stark dominieren. Aufgabe unserer Kirche ist, alles für ein friedliches Zusammenleben und den Dialog zu tun.“

„Aufgabe unserer Kirche ist, alles für ein friedliches Zusammenleben und Dialog zu tun“

Angesprochen auf den Bosnien-Krieg in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre, als u.a. Sarajevo vier Jahre lang belagert wurde, sagte Puljic: „Es war für mich eine Schule des Lebens und des Gebets, eine Schule des Starkmuts und der Tapferkeit.“ Vier Jahre Bürgerkrieg hieß vier Jahre ohne Strom, ohne fließendes Wasser, Heizung und ohne Fenster. „Aus Angst vor Granaten oder Bomben durften wir uns nur in ummauerten Räumen aufhalten. Ins Freie zu gehen, war lebensbedrohlich. Öfters sind nicht weit von mir entfernt Bomben oder Granaten eingeschlagen. Wir mussten in dieser Zeit viel Hunger leiden“, berichtete der Kardinal. Nachsatz: „Für mich war es wie ein Studium des Kreuzes.“

„In der Seele keinen Hass aufkommen lassen“

Katholikenzahlen fast halbiert

Vor dem Krieg lebten 820.000 Katholiken in Bosnien-Herzegowina, jetzt seien es noch 430.000. Puljic: „Viele Gläubige wollen das Land verlassen, weil sie dort keine Zukunft mehr für sich und ihre Familien sehen.“

Der Erzbischof von Sarajevo war auf Einladung der kroatischen Gemeinde Tirol in Innsbruck zu Gast. Auf die Städtepartnerschaft zwischen Innsbruck und Sarajevo angesprochen, meinte Puljic wörtlich: „Ich würde mir mehr Zusammenarbeit wünschen - etwa auch um die Friedensarbeit zu unterstützen.“

(kap – mg)

04 Juni 2021, 14:39