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Impfung in Venezuela Impfung in Venezuela  (AFP or licensors)

Venezuela: „Impfung nicht zum politischen Problem machen"

Venezuelas Bischöfe haben davor gewarnt, Impfungen zu einem politischen Problem zu machen. Das Land erlebt über den bereits seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Notstand hinaus einen Zusammenbruch seines früher gut funktionierenden Gesundheitssystems. Wir sprachen mit einem Bischof.

„Wir sehen einen Anstieg der Fälle von Covid“, sagte Mario Moronta, Bischof der Diözese San Cristobal und erster Vizepräsident der venezolanischen Bischofskonferenz. „Viele der Kranken werden ambulant in ihren Häusern behandelt, vor allem in den Bundesstaaten Zulia und Yaracuy sowie in einigen Teilen der Hauptstadtregion. Die Zahl der Infizierten ist so groß, dass es eine Bettenkrise in den Krankenhäusern gibt, d.h. es ist nicht einfach, in den öffentlichen Krankenhäusern Plätze zur Behandlung zu finden. Es ist auch nicht erschwinglich, in Privatkliniken zu gehen, weil die Preise aufgrund der Abwertung der Landeswährung sehr belastend oder überteuert sind".

Mehr als 2.600 Menschen sind in Venezuela bereits an Covid verstorben. Nationale wie internationale Organisationen verweisen darauf, dass Venezuela die niedrigste Impfrate Lateinamerikas hat. Präsident Nicolás Maduro hatte vor einer Woche erklärt, dass das Land 1,3 Million Impfstoffe aus China erhalten habe und in den kommenden Tagen ein Impfplan gestartet werde.

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„Unser Problem ist, dass wir niemandem glauben, weil es eine Täuschung nach der anderen gibt“, erklärt Bischof Moronta unumwunden. „Und jedenfalls liegt im Moment der Impfplan weit unter den notwendigen Werten.“

Man stehe im Austausch mit vielen Ärztevereinigungen in Venezuela, die die Situation kennen. „Sie sagen, wenn wir erreichen wollten, dass ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung – also 80 Prozent - bis zum Ende des Jahres geimpft werden kann, bräuchten wir zum jetzigen Zeitpunkt 14 Millionen Impfstoffe.“

„Es werden nur diejenigen geimpft, die eine politische Zugehörigkeit zur Gruppe der Regierungspartei haben“

In einigen Regionen sei mangels Impfstoffs bisher noch nicht einmal das medizinische Personal immunisiert. Und der Bischof erhebt eine schwere Anschuldigung: „Es werden nur diejenigen geimpft, die eine politische Zugehörigkeit zur Gruppe der Regierungspartei haben, und auch Menschen, die es vielleicht nicht so dringend brauchen wie andere, gefährdetere Gruppen, wie Ärzte, Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Gesundheitsarbeiter und ältere Menschen.“

Deshalb fordere die Bischofskonferenz Massenimpfungen. „Und wir erinnern daran, dass dies kein politisches oder parteipolitisches Problem ist, auch wenn es leider von den Fraktionen in der politischen Debatte zu einem solchen gemacht wurde.“.

Unterdessen gab Maduro bekannt, Venezuela werde fünf Millionen Impfdosen aus dem Covax-Programm erhalten, dies allerdings erst im Juli.

(vatican news – gs)

31 Mai 2021, 12:43