Suche

Vatican News
Liturgie mit Kardinal Beschara Rai in Bkerke am 30. Mai 2021 Liturgie mit Kardinal Beschara Rai in Bkerke am 30. Mai 2021 

Libanon: Maronitischer Patriarch nimmt politische Anführer in die Pflicht

Kardinal Bechara Raï hat abermals die libanesischen Politiker kritisiert, die nicht in der Lage seien, eine Regierung zu bilden und der Nation Stabilität zu garantieren. Die Befürchtung steht im Raum, dass ein Entzug von Subventionen bevorsteht - was weitere Preissteigerungen auslösen könnte.

Der maronitische Patriarch hat in seiner Sonntagspredigt erneut die politischen und institutionellen Anführer des Libanon kritisiert. Diese seien seit Monaten nicht in der Lage, eine stabile und unabhängige Regierung zu bilden. Gleichzeitig rief er die internationale Gemeinschaft um Hilfe für die Bevölkerung auf, die in Not sei. Die Worte von Kardinal Bechara Raï stehen im Zusammenhang mit der Einladung zum Gebet von Papst Franziskus, der am Sonntag beim Angelus ein Treffen im Vatikan mit christlichen Führern ankündigte. Dieses Treffen ist für den 1. Juli geplant. Bei der Begegnung wollen die christlichen Vertreter über die Situation im Land nachdenken und für den Frieden beten.

Sein Wort hat Gewicht im Libanon: Patriarch Bechara Rai auf einem Archivfoto
Sein Wort hat Gewicht im Libanon: Patriarch Bechara Rai auf einem Archivfoto

Der maronitische Patriarch fragte sich, ob der Staat gar ein Komplott gegen sein eigenes Volk schmiede, während die Nation in einer Krise versinke. Diese Krise bestehe schon seit zwei Jahren, erinnert der Patriarch. Daher die Aufforderung an die internationale Gemeinschaft, dringend zu Gunsten der Bevölkerung zu intervenieren, ohne jedoch die Unterstützung für die Bildung einer Regierung zu beeinträchtigen. Seit mehr als 10 Monaten gibt es keine stabile Regierung im Libanon.

Mangel an Medikamenten

Während seiner Predigt in der Sonntagsmesse kritisierte der Kardinal den Mangel an Medikamenten und anderen lebensnotwendigen Gütern, und das zu einer Zeit, in der die Behörden sich darauf vorbereiten, die Subventionen für einige Produkte zu streichen, was die Befürchtung eines noch stärkeren Preisanstiegs wecke. „Ein Teil der Krise wurde durch Gier und die Politik des Monopols verursacht. Es ist an der Zeit, die Subventionen zu rationalisieren, ohne die Pflichtreserven der Zentralbank des Libanon anzutasten“, sprach der Kardinal Klartext.

Doch zwischen Verzögerungen und Finanzierungslücken seien es die Bürger, die am Ende den Preis für Ineffizienz und Unfähigkeit auf politischer und institutioneller Ebene zu zahlen hätten. Der maronitische Patriarch erinnert auch daran, dass „es an den Sicherheitsdiensten und den Justizbehörden liegt“, die Bestände in den Lagern zu kontrollieren, „um dem Monopol ein Ende zu setzen“ und die Grenzen zu sichern, „um den Schmuggel zu bekämpfen.“ „Die Menschen sind unschuldig an dem Verhalten ihrer Staatsbediensteten und der politischen Klasse im Allgemeinen“, unterstrich er. Dann wandte er sich an die Regierungen der Welt, „die die Krise im Libanon beeinflussen können“: „Die Libanesen verdienen es, dass man ihnen hilft, denn sie verdienen es, zu leben.“

Politische und persönliche Auseinandersetzung

Kardinal Raï forderte deshalb erneut eine internationale Konferenz unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, ohne die es „keine Lösung der politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Krise“ geben werde. Dies müsse zusammen mit der Anwendung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates geschehen.

(asianews – mg)

31 Mai 2021, 12:03