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Vatican News
Angriff auf Hochhaus, in der sich die Redaktion von al-Jazzera befindet Angriff auf Hochhaus, in der sich die Redaktion von al-Jazzera befindet  (AFP or licensors)

Jerusalem: „Stoppt diese Hölle“

Franziskanerpater Ibrahim Faltas von der Kustodie der Franziskaner im Heiligen Land spricht im Interview mit Radio Vatikan Klartext: Die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern soll sofort aufhören.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Jetzt sei „alles ausgebrochen“, aber das Problem sei seit 1967 da, so Pater Faltas im Gespräch mit Radio Vatikan. Das Problem sei, dass bisher keine Lösung für Jerusalem gefunden wurde, „was das Herzstück des Konflikts ist“. „Glauben Sie mir, wenn sie eine Lösung für Jerusalem finden, werden wir Frieden haben“, wiederholt Faltas sein Argument. Man müsse die Demonstrationen im Libanon, in Jordanien und jetzt auch in Ägypten sehen: „Wenn man Jerusalem berührt, berührt man einen blanken Nerv, die Heilige Stadt ist in jedermanns Herzen; die Zeit ist gekommen, eine Lösung für Jerusalem zu finden, sonst werden wir noch hundert Jahre so weitermachen!“

Zum Nachhören - was Pater Faltas über Konflikt zwischen Israel und Palästina sagt

Das Problem sei, dass niemand direkt über einen „offenen Krieg“ zwischen Israel und der Hamas sprechen wolle. Wenn beide Streitparteien beschließen würden, das Feuer einzustellen und sich zu einigen, dann würde der Frieden einen Schritt näher sein. „Wir sprechen über eine wütende Bevölkerung auf beiden Seiten, die versucht, die Gerechtigkeit in die eigenen Hände zu nehmen und bei der es keinen eigentlichen Gesprächspartner gibt. Was jetzt gerade passiert, hat es seit 1948 nicht mehr gegeben, und das ist es, was die Welt verstehen soll“, erläutert der Franziskanerpater von der Kustodie des Heiligen Landes, der seinen Sitz in Jerusalem hat.

Palästinenser auf der Flucht aus Gaza
Palästinenser auf der Flucht aus Gaza

Sechs Tage nach Beginn der Angriffe gebe es nach Angaben der Hamas mindestens 139 Tote unter den Palästinensern, darunter 39 Kinder, und mehr als tausend Verwundete. Die israelische Seite liefert auch Zahlen, die von einem Abschuss von über 2.300 palästinensischen Raketen sprechen, von denen eintausend abgefangen werden konnten. Von palästinensischer Artillerie wurde ein Gebäude in Ramat Gan beschossen, einem Vorort von Tel Aviv, wo es mindestens ein Todesopfer gab, kurz darauf hätten israelische Streitkräfte in Gaza einen Wolkenkratzer bombardiert, in der sich die Redaktion des arabischen Senders al-Jazeera und anderer internationalen Medien befinden, einschließlich der Nachrichtenagentur Associated Press.

US-Gesandter trifft in Tel Aviv ein

In der Nacht konzentrierten sich die israelischen Angriffe stattdessen auf eine Wohnung im Flüchtlingslager Al-Shaty im Norden des Streifens, um nach Angaben der israelischen Luftwaffe „prominente Hamas-Anführer“ zu „neutralisieren“, während die Palästinenser von mindestens 10 getöteten Zivilisten berichteten, alle aus einer Familie, darunter acht Kinder. Unterdessen sei Hady Amr, der Gesandte von US-Präsident John Biden, in Tel Aviv eingetroffen, während der UN-Sicherheitsrat an diesem Sonntag tagen soll. „Bitte stoppen Sie diese Hölle“, lautet der Appell, den Pater Ibrahim Faltas von der Kustodie des Heiligen Landes in Jerusalem aus gerichtet hat.

(vatican news)

16 Mai 2021, 11:22