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Sako (rechts) am 6. März mit Papst Franziskus in Bagdad Sako (rechts) am 6. März mit Papst Franziskus in Bagdad  (AFP or licensors)

Irak: „Retten, was zu retten ist“

Der Papstbesuch an Euphrat und Tigris im März ist von vielen Irakern als ein Signal des Aufbruchs gewertet worden. In seinem Aufruf zur Parlamentswahl vom Oktober schlägt Kirchenführer Louis Raphaël I. Sako allerdings alarmistische Töne an.

Der Kardinal, der als „Patriarch von Babylon“ die chaldäisch-katholische Kirche leitet, veröffentlichte jetzt einen Wahlaufruf zu dem Urnengang, der am 10. Oktober stattfinden soll. Darin fordert er die Parteien zu einem „Aufstand des Gewissens“ auf, „um zu retten, was zu retten ist“.

Auch die Christen nimmt Kardinal Sako nicht von seinen kritischen Worten aus. Für sie seien im künftigen Parlament fünf der insgesamt 325 Sitze reserviert – allerdings kämpften 34 Kandidaten um diese fünf christlichen Sitze. Das sei doch ein „Zeichen für Parteilichkeit und Zersplitterung“.

Klage über uneinheitliches Auftreten der Christen

Nach Sakos Dafürhalten wäre es besser gewesen, wenn die christlichen Gruppen sich zusammen auf fünf gemeinsame Kandidaten geeinigt hätten, „die die irakische Realität kennen und zur Zusammenarbeit mit den anderen Parlamentariern bereit sind“. Damit hätten sie „eine gemeinsame nationale und menschliche Botschaft“ lancieren können.

Der Patriarch geht mit den christlichen Politikern und Gruppierungen des Irak hart ins Gericht. Die schwierige Lage der Christen im Land werde sich nicht verbessern, solange nicht jeder Christ seine Verantwortung wahrnehme, dem „Fanatismus“ absage und sich auf „Dialog und Teilhabe“ einlasse. Franziskus habe nicht von ungefähr bei seiner Irakreise immer wieder auf dem Thema „Geschwisterlichkeit“ insistiert.

Die Kräfte bündeln

„Ich hoffe“, so Sako, „dass die Christen auf diesen Appell an ihre Verantwortung antworten, denn sie haben sehr vieles gemeinsam und könnten den Bürgern ein gutes Beispiel geben“. Die katholische Kirche sei bereit, in den Pfarreien Debatten mit Parlamentskandidaten zu organisieren. Es sei nämlich wichtig, „dass sich die Christen gut informieren und ihre Kräfte bündeln, statt sie zu verzetteln“.

(vatican news – sk)
 

27 Mai 2021, 10:32