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Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer  (ANSA)

D: Bischof fordert menschlichere Bedingungen für Mittelmeer-Flüchtlinge

Der emeritierte Bischof Michael Wüstenberg fordert von der Politik, sich stärker für Flüchtlinge einzusetzen, die über das Mittelmeer nach Europa kommen. Der gebürtige Dortmunder, der bis 2017 als Bischof von Aliwal in Südafrika wirkte, war zwei Wochen lang auf dem Rettungsschiff „Sea-Eye 4" mitgefahren.

„Es ist ein Skandal, dass sie in die libyschen Lager zurückgetrieben werden, wo unmenschliche Zustände herrschen", sagte der in Hildesheim lebende Ruhestandsgeistliche am Mittwoch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Es ist ein Skandal, wie sich Europa verhält - auch vor dem Hintergrund des Wertekodex, den es vertritt."


Der katholische Bischof forderte menschliche Aufnahmebedingungen und die Bekämpfung von Fluchtursachen - auch wenn das ein anstrengendes und langwieriges Unterfangen sei. Wüstenberg verlangte auch, dass manche Bischöfe auf europäischer Ebene noch deutlicher gegenüber ihren Regierungen auftreten. „Im Sinne der Menschlichkeit ist es dringend geboten, dass die Kirche sich für Flüchtlinge einsetzt."

„Da sehe ich viele Defizite in Europa, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht“

Der 66-Jährige hatte das kürzlich in Rostock getaufte Versorger-Schiff der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye auf einer Überführungsfahrt in die spanische Hafenstadt Burriana begleitet. Von dort aus soll das Schiff noch in dieser Woche zu seiner ersten Mission im Mittelmeer aufbrechen und Flüchtlinge retten, die oft in kaum seetauglichen Schlauch- und Holzbooten versuchen, nach Europa zu gelangen.

Auf der Reise habe er viel über die katholische Soziallehre nachgedacht, so Wüstenberg weiter. „Ich bin unsicher, wie gut sie im Bewusstsein der Gläubigen verankert ist." Sie formuliere, dass die Güter der Welt für alle bestimmt seien. Auch Gemeinwohl und Solidarität spielten eine wichtige Rolle. „Da sehe ich viele Defizite in Europa, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht."

(kna – gs)

05 Mai 2021, 11:44