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Soldaten in Burkina Faso Soldaten in Burkina Faso  (AFP or licensors)

Burkina Faso: Terrorismus auch wegen Klimawandel

In der Sahelzone ist die Zahl der Gewalttaten seit 2015 um das achtfache gestiegen. Das berichtet der Afrikanist und Journalist Enrico Casale gegenüber Vatican News. Mindestens 30 Menschen wurden am Montag von dschihadistischen Milizionären im Osten Burkina Fasos getötet und 20 weitere verwundet.

Mario Galgano und Marco Guerra – Vatikanstadt

Die Behörden Burkina Fasos glauben, dass die Dschihadisten das Dorf ins Visier genommen haben, weil es Soldaten für das nationale Programm „Freiwillige zur Verteidigung des Vaterlandes“ zur Verfügung gestellt hatte. Diese Freiwilligen sollen die reguläre Armee bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit zu unterstützen, wie Casale erläutert.

Zum Nachhören - wie die Lage in Burkina Faso ist

Genau eine Woche vor dem Angriff waren zwei spanische Journalisten und ein irischer Umweltschützer bei einem terroristischen Hinterhalt gegen Anti-Wilderer-Patrouillen getötet worden. Die Verbindung zwischen Umweltschutz und Terrorismus sei alles andere als zufällig. Den Dschihadisten ginge es nicht nur um „pseudo-religiöse“ Anliegen, sie profitierten auch vom Klimawandel. Wie Casale weiter erläutert, hätten die verlängerten Dürreperioden dazu geführt, dass die Armut gestiegen sei. Und dies habe auch die Rolle der Islamisten gestärkt, denn wo Armut und Not herrsche, nehme auch die Gewaltbereitschaft zu.

Laut dem Journalisten hinge die Gewalt also direkt mit dem Phänomen des Klimawandels zusammen, auch wegen der erheblichen Reduzierung der Ressourcen. Die rund 30 Millionen Menschen in der Sahelzone, die Hilfe und Schutz benötigen, weil sie in extremer Armut leben, schürten Gewalt und Feindseligkeit, zu der auch der islamische Fundamentalismus gehört.

„Dieses Aufflammen der Gewalt ist auch ein Zeichen für eine Krise in der gesamten Sahelzone. Erinnern wir uns daran, dass Burkina Faso erst seit 2015 einen demokratischen Übergangsprozess begonnen hat, so dass die politischen Institutionen und die Streitkräfte noch sehr fragil und nicht in der Lage sind, der terroristischen Bedrohung effizient zu begegnen“, so die Analyse des Journalisten und Experten für das Sahel-Gebiet, der auch das „Africa Magazine“ herausgibt.

Eine Situation der Instabilität also, die vor allem auf die Gewaltherrschaft von Terrorgruppen zurückzuführen sei, betont Casale weiter. Diese seien dem sogenannten „Islamischen Staat“ und Al-Qaida verbunden. „Auch die Routen des Waffen-, Drogen-, Zigaretten- und Menschenhandels führen durch dieses Gebiet“, fügt er an.

Internationale Intervention

Bezüglich der Notwendigkeit einer internationalen Intervention berichtet Casale von der Anwesenheit französischer Truppen, „zu denen sich bald italienische Kräfte und die, anderer europäischer Länder gesellen werden.“ „Eine Intervention unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wäre grundlegend, um den Frieden in der Region wiederherzustellen. Eine Intervention, die mit den nationalen Kräften der Sahel-Länder, die alle von diesem Phänomen betroffen sind, koordiniert werden muss. Wir müssen die militärischen Kräfte und die Sicherheit dieser Länder unterstützen, aber auch ihren demokratischen Prozess“, betont Casale. Nur durch Demokratisierung könne Burkina Faso und seine Nachbarländer eine gerechtere Verteilung der Ressourcen und damit einen Abbau der Spannungen erreichen. „Hinter dieser Anstrengung brauchen wir eine geschlossene internationale Gemeinschaft“, so die Schlussfolgerung des Experten.

(vatican news)

05 Mai 2021, 11:26