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Gläubige in Manila am Karfreitag Gläubige in Manila am Karfreitag   (AFP or licensors)

Philippinen: Eine Kirche auf dem Weg nach draußen

In dem asiatischen Land sind am Ostersonntag offiziell die Feiern zum 500. Jahrestag der Evangelisierung gestartet, mit 100 Heiligen Pforten, die über das gesamte Land geöffnet wurden. Das Thema, das die örtliche Bischofskonferenz für diesen Anlass gewählt hat, ist ,Gifted to give‘, in etwa ,beschenkt und begabt, um weiterzuverschenken‘.

Das Ziel der Feierlichkeiten sei es, „Gott für die Gabe des Glaubens zu danken, der in den letzten fünf Jahrhunderten von einer Generation zur nächsten gepflegt wurde“, so die Bischöfe des asiatischen Landes mit der zahlenmäßig größten katholischen Bevölkerung. Mehr als 80 Prozent der Philippiner sind Katholiken. Wie die Bischöfe weiter betonen, sind die Philippiner nicht nur durch die Gabe des Glaubens beschenkt worden, sondern mittlerweile selbst zu einem wichtigen Missionsmotor geworden. Zahlreiche Priester und Ordensleute von den Philippinen unterstützen auf der ganzen Welt Gemeinden, die mit Priestermangel und zunehmender Säkularisierung zu kämpfen haben.

Hören Sie hier den Beitrag zu 500 Jahre Evangelisierung der Philippinen

Zu Ostern hatte auch Papst Franziskus ein Video geschickt, in dem er den philippinischen Katholiken für ihr Glaubenszeugnis dankte – und unterstrich, wie sie sich dank ihres Glaubens trotz vieler Schwierigkeiten immer wieder aufgerappelt hätten. Der Papst würdigte den Wunsch der Philippiner, „zu evangelisieren, die anderen zu erreichen und ihnen die Hoffnung und die Freude des Evangeliums zu bringen“.

Von außen eingeführt und geblieben

„Wie wir wissen, ist das Christentum von außen eingeführt worden, mit der Ankunft der Spanier“, erinnert im Interview mit Radio Vatikan der Xaverianer-Missionar Emanuele Borelli, der schon lange auf den Philippinen lebt. „Deshalb war die Mission Teil eines Prozesses der Christianisierung, und auch der Entwicklung, der Kolonialisierung. Die Kolonialisierung und das Christentum sind gemeinsam vorangeschritten. Der spanische Staat hat auch für die Verbreitung des Christentums und für seine Strukturen gesorgt. Es waren also die Ordensleute, die das Evangelium gebracht haben, wie es damals üblich war, im Stil der Missionstheologie der damaligen Zeit, und auch die Art zu taufen, nach dem heiligen Franz Xaver. Und das ging Jahrhunderte so!“

Die Mönche hatten damals eine wichtige Rolle, viel Macht war in ihren Händen konzentriert. Die Ortskirche habe sich erst ab dann eigenständig entwickelt, als die Spanier Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts das Land verlassen hätten. Emanuele Borelli und seine Mitbrüder unterstützen die Ortskirche bei ihren Missionsaktivitäten, in einem Umfeld, das bereits zu 80 Prozent christianisiert ist, berichtet der Ordensmann. „Es ist eine Art der Unterstützung für die philippinische Kirche, wo sie aus verschiedenen Gründen nicht präsent sein kann oder wo sie Schwierigkeiten hat aufgrund komplizierter oder spezieller Situationen, die beispielsweise von Armut oder Naturkatastrophen charakterisiert sein können.“  

Die Missionare, die aus anderen Nationen kämen, hätten mit der Zeit auch eine Beispielsfunktion übernommen. Mit dieser stimulierten sie die Ortskirchen dazu, eine Kirche auf dem Weg nach draußen zu sein, eine Kirche, die nicht in Selbstbezogenheit verfalle, betont Borelli auch mit Blick auf die vielen Missionare, die aus der philippinischen Kirche in die ganze Welt ausgesandt werden.

Wichtige Rolle der Laien

Doch die philippinischen Laien, die auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen ihr Land verlassen haben und in andere Länder ausgewandert sind, haben ihren Glauben und ihre Begeisterung für das Evangelium mitgebracht, wie nicht nur Papst Franziskus bei verschiedenen Gelegenheiten betont, zuletzt in der Videobotschaft, die er aus Anlass des 500. Jahrestages der Evangelisierung an die philippinischen Gläubigen geschickt hat. Ähnlich sieht das Luigi de Giambattista, Missionar des Werkes Don Guanella, der seit mehr als 20 Jahren in Manila wirkt: „Sie sind es, die viele kirchliche Realitäten weltweit beleben“, betont er im Gespräch mit Radio Vatikan. „Sie sind, wie Papst Franziskus sagt, wahre Schmuggler des Glaubens! Und das ist wahr. Das sind keine Migranten, die leichtfertig ihre schöne Heimat verlassen. Sie gehen, um eine Gelegenheit zur Entwicklung zu erhalten, um ihre Kinder auf die Schule zu schicken, um ihren Familien eine rosigere Zukunft zu bieten… Natürlich muss man dafür einen Preis zahlen. Doch die etwa 10 Millionen Philippiner, die auf der Welt verstreut sind, verkünden mit ihrer Anwesenheit diese Schönheit, Christen und Katholiken zu sein.“

„Das sind keine Migranten, die leichtfertig ihre Heimat verlassen“

 

Sogar auf den abgelegenen und von der Welt vergessenen Salomonen-Inseln habe er zwei philippinische Priester getroffen, berichtet der Missionar begeistert: „Das war eine phantastische Entdeckung. Und es ist schön, sich bewusst zu machen, dass dieser Reichtum nicht nur von Fidei Donum kommt, sondern auch dank der Priester, die in den Schulen zahlreicher missionarischer Kongregationen aufgewachsen sind, von denen einige hier in den Philippinen für die speziellen Bedürfnisse der Bevölkerung entstanden sind.“ Die philippinische Kirche fühle insbesondere im Rahmen des aktuell gefeierten 500. Jubiläums sehr stark den Appell des Papstes, den Glauben nicht für sich zu behalten und diese „gute Nachricht“ zu verbreiten, betont der Missionar:

„Vor allem mit einem authentischeren christlichen Leben. Es besteht also eine ständige Aufforderung dazu, eine Evangelisierung zu betreiben, die die gesamte Kultur betrifft. Sie darf sich nicht auf den religiösen oder liturgischen Aspekt beschränken, sondern sie muss auch das soziale und politische Leben betreffen. Es muss ein Zeugnis sein, das zu 360 Grad in die Leben der Menschen und Gemeinschaften eindringt. Das ist die Herausforderung für eine Kirche, die wirklich das Evangelium leben will, und das ist natürlich eine große Berufung und auch eine große Verantwortung.“

Doch auch die Philippinen brauchen noch Missionare. Das betont Leandro Tesorero, ein philippinischer Laie, der darauf hinweist, wie viele Laien die kirchlichen Realitäten erst mit Leben füllen und – ebenso wie die Priester und Ordensleute – als Missionare für eine zwar getaufte, aber kirchenferne Bevölkerung wirken. „Sie sind es, die in besonderen Fällen die Eucharistie verteilen, als Katecheten und freiwillige Helfer in den Pfarreien tätig sind. Wenn in unserem Land die Anzahl der Gläubigen wächst, ist das auch Verdienst der Mission, die die Laien ausführen.“

(vatican news - cs)

07 April 2021, 13:39