Muslim vor einer Madonnendarstellung Muslim vor einer Madonnendarstellung 

Irak: „Große Mehrheit des Volks will Versöhnung”

Das irakische Volk, das aus vielen verschiedenen Gruppen besteht, will in seiner großen Mehrheit Versöhnung, Stabilität und Wiederaufbau. Das hat vor der Ankunft des Papstes in Bagdad der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche von Antiochien gesagt. Skeptisch zeigte sich Ignatius Youssef III. Younan über Fortschritte beim christlich-muslimischen Dialog.

„Der Papst könnte ein Bote des Friedens, der Hoffnung und der Versöhnung in einem von Sektierertum geprägten Land sein“, sagte der Patriarch der italienischen katholischen Agentur SIR. Er hoffe allerdings, dass jene, die den Papst empfangen, die Botschaft der Geschwisterlichkeit „wirklich verstehen“. Die Christen im Irak seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten „die unschuldigen Opfer eines furchtbaren Massakers“ gewesen, des schlimmsten in vielen Jahrhunderten. Younan sprach von „Unterdrückungen aller Art, Entführungen, Morde, Vertreibungen.“ Die syrisch-katholische Kirche habe im Vergleich den größten Schaden erlitten.

Am Samstag begibt sich Papst Franziskus zu einem interreligiösen Treffen nach Ur, der Heimat Abrahams, dem Vater der drei monotheistischen Glaubensrichtungen Judentum, Christentum und Islam. Leider habe „die überwältigende Mehrheit der irakischen Christen, wie auch derjenigen im Nahen Osten, wenig Interesse an hochrangigen Treffen und Zeremonien“, gab der Patriarch zu bedenken.

 

Iraks Christen sollenAchtung ihrer Bürgerrechte

Die Christen glaubten seiner Beobachtung nach „nicht an den theoretischen Dialog der Religionen“, sie wünschten sich stattdessen ein Zusammenleben, „das auf der Achtung der Bürgerrechte beruht, denn alle Bürger müssen gleich sein, auch in Ländern mit einer muslimischen Mehrheit“, betonte der Patriarch. Auch die Begegnung von Papst Franziskus mit dem irakischen Großayatollah al-Sistani in Nadschaf sieht Younan betont realistisch. Gefragt, ob dieses Treffen einen Weg ähnlich wie jenen öffnen könnte, der zur Unterzeichnung des Abu-Dhabi-Dokuments (Papst Franziskus und Al Tayyeb) führte, sagte der syrisch-katholische Patriarch, der Islam kenne keine Trennung zwischen Religion und Politik. Eine solche Erklärung stärke zwar das Bild eines offenen Islam, „aber es ist noch ein langer Weg zu gehen“.

(sir – gs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

05. März 2021, 15:11