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Proteste im indonesischen Papua gegen die Regierung in Jakarta Proteste im indonesischen Papua gegen die Regierung in Jakarta  (AFP or licensors)

Indonesien: „Gewalt darf niemals vorherrschen“

Die Bischöfe des Landes haben zu einem Ende der Gewalt in West-Papua und zum Beginn einer Verhandlungslösung für den langjährigen Konflikt aufgerufen. Es geht um die Streitigkeiten zwischen der indonesischen Armee und separatistischen Gruppen, die weiterhin Opfer unter der Zivilbevölkerung fordern.

Wie die Nachrichtenagentur „Eglises d'Asie“ berichtet, wurde der Appell von den Bischöfen der betroffenen indonesischen Provinz gestartet, in der seit 1969 die Bewegung „Freies Papua“ für die Unabhängigkeit von Jakarta kämpft. Die Rebellen werfen der Regierung in Jakarta vor, die papuanische Bevölkerung zu diskriminieren. Der Appell wurde dann im Abschlusskommuniqué der Jahresversammlung der indonesischen Bischofskonferenz aufgenommen. Dieses Treffen fand in den vergangenen Tagen statt und folgt der Kritik einiger Priester und katholischen Laien, die den Ortsbischöfen und der indonesischen Bischofskonferenz vorwerfen, angesichts des eskalierenden Konflikts zu schweigen. Unterzeichnet ist die Note von Bischof Leo Laba Ladjar von Jayapura, Bischof Aloysius Murwitof von Agats, Pater Marthen Kuayo, der Apostolischer Administrator der Diözese Timika ist, und Pater Hengky Kariwop, Generalvikar der Erzdiözese Merauke.

Trotz Sondergesetz herrscht Unruhe

Trotz der Tatsache, dass ein vor zwanzig Jahren von der indonesischen Regierung eingeführtes Sondergesetz, das 2021 ausläuft, eine relative Autonomie anerkennt, gehe der bewaffnete Kampf der Unabhängigkeitskräfte weiter. Der Konflikt habe auch außergerichtliche Tötungen und Gewalt auf beiden Seiten zur Folge gehabt. Die Zivilbevölkerung und auch einige religiöse Persönlichkeiten hätten darunter gelitten, wie am 26. Oktober bei der Ermordung des katholischen Katechisten Rufinus Tigau im Bezirk Intan Jaya, der beschuldigt wurde, ein Separatist zu sein. Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich in den Distrikten Intan Jaya und Punca, wo das Kreuzfeuer zwischen den Separatisten und der Armee mehrere tausend Zivilisten zur Flucht aus ihren Dörfern gezwungen habe.

„Unabhängig von den Opfern macht uns diese Gewalt traurig und empört uns. Was auch immer die Schuldigen sind, sei es die Polizei, das Militär oder die Separatisten, diese Taten können nicht gerechtfertigt werden, auch wenn sie ihre Gründe für edel halten“, schrieben die Bischöfe aus Papua in der Erklärung. „Gewalt darf niemals die Oberhand gewinnen. Es erzeugt nur weitere Gewalt, in einem Teufelskreis. Deshalb bitten wir alle an dem Konflikt beteiligten Parteien, damit aufzuhören.“

Rolle der Ordnungskräfte

Nach Ansicht der Bischöfen sollte auch die Rolle der Ordnungskräfte in der Region überprüft werden: „Handle mit dem Herzen und mit der Liebe: Das ist ein Slogan, den wir oft hören. Wir hoffen, dass es im Verhalten der Ordnungskräfte Wirklichkeit werden kann“, heben sie in der Note hervor. Die Polizei werde in der Tat oft des Missbrauchs und der übermäßigen Gewaltanwendung beschuldigt. Die Botschaft richte sich auch an die aus Jakarta entsandten Soldaten und fordere sie auf, die lokalen Gemeinschaften, ihre Kulturen und Traditionen kennen zu lernen und zu respektieren. Abschließend bitten die Oberhirten die lokalen Mandatsträger, sich dafür einzusetzen, den Einheimischen mehr Möglichkeiten zu bieten, vor allem durch Bildung, und sich für ihre Rechte einzusetzen, insbesondere für den Schutz vor Abholzung durch Palmölplantagen.

Am 1. November letzten Jahres hatte Kardinal Ignatius Suharyo Hardjoatmodjo, Erzbischof von Jakarta und Vorsitzender der indonesischen Bischofskonferenz, eine Delegation von Bischöfen angeführt, um mit dem indonesischen Sicherheitsminister Mahfud MD die verschiedenen Probleme zu besprechen, die die ärmste Provinz Indonesiens plagen. Während des Treffens betonten die Bischöfe die Notwendigkeit eines stärkeren Dialogs seitens der indonesischen Behörden, ohne auf Gewalt zurückzugreifen, und eines größeren Respekts und Zuhörens gegenüber den Menschen in Papua.

(vatican news –mg)

02 März 2021, 09:48