Eine Demonstrantin führt Ende Februar beim Straßenprotest ein Foto des maronitischen Patriarchen mit Eine Demonstrantin führt Ende Februar beim Straßenprotest ein Foto des maronitischen Patriarchen mit 

Libanon: Kardinal Rai warnt vor dem Untergang

Der maronitische Patriarch, Kardinal Béchara Rai, hat Politiker seines Landes beschuldigt, bewusst die Bildung einer neuen Regierung zu verzögern.

Die Politik verschwende „Geld und Hoffnung“ der Menschen und schaffe einen Staat der Armut, des Hungers und der Arbeitslosigkeit. Das sagte er laut der auf Facebook veröffentlichten Predigt am Sonntag an seinem Amtssitz in Bkerke nördlich von Beirut.

Angesichts der dramatischen Lage im Land bleibe den Menschen nichts anderes übrig, als auf die Straße zu gehen. „Wie kann dieses Volk nicht revoltieren, wenn seine Taschen von Geld geleert sind und es kein Brot, Essen und Medizin kaufen und Bildung und Gesundheit sichern kann?“ Mit diesen Worten rechtfertigte Rai die landesweiten Proteste gegen die politische Elite des Landes.

Sieben Monate ohne Regierung

Der Patriarch warnte in seiner Predigt, das Land sei in einer Phase tödlicher Herausforderungen, die den Libanon und sein Volk zerstören könnten. Das libanesische Volk sei jedoch stärker als die Angreifer der Heimat, „egal, wie mächtig deren Mittel seien mögen“. Es sei besser, dass das Volk explodiere und das Land bestehen bleibe, als dass das Land explodiere und das Volk aufhöre zu existieren.

Libanon ist seit dem Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Hassan Diab vor rund sieben Monaten ohne eine Regierung. Der erneut als Ministerpräsident designierte Saad Hariri scheiterte bisher an einer Einigung über die Verteilung der Ministerposten.

(kap – sk)
 

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08. März 2021, 12:16