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In der Abtei Pannonhalma, Ungarn In der Abtei Pannonhalma, Ungarn 

Ungarn: Altabt Varszegi von Pannonhalma wird 75

Der Altabt der ungarischen Benedikterabtei Pannonhalma, Asztrik (Imre) Varszegi, vollendet kommenden Dienstag sein 75. Lebensjahr. Er ist einer der bekanntesten ungarischen Kirchenmänner, wirbt für die Aufnahme von Migranten in seinem Land und trägt die Linie von Papst Franziskus in vielen kirchlichen Fragen mit.

Zwischen 1991 und 2018 leitete Varszegi mit dem Kloster Pannonhalma die bedeutendste Abtei Ungarns. Zuvor war er während der Wendejahre Weihbischof in der Erzdiözese Esztergom und Sekretär der Ungarischen Bischofskonferenz.

Der Benediktiner lebt nach wie vor in Pannonhalma, wo er als 18-Jähriger in den Benediktinerorden eintrat. Varszegi trat nach dem Sturz des Kommunismus 1989/90 für eine von der Staatsmacht unabhängige Kirche ein. Er versuchte die kirchlichen Einrichtungen offener und dynamischer zu gestalten und stürzte sich mit großem Elan in die Arbeit als Sekretär der Bischofskonferenz.


Damals wie heute steht Varszegi für einen modernen Katholizismus. „Wir brauchen keine Macht, weder mit dem Staat, noch mit der Politik verflochten. Die Kirche wünscht und will auch keine Macht. Sie will die Freiheit bringen", betonte er 1990. In der ungarischen Kirche blieb Varszegi mit vielen seiner Vorstellungen allein. Er kehrte nach Pannonhalma zurück, wo er 1991 zum Erzabt der Benediktinerabtei auf dem St. Martinsberg gewählt wurde.

Pionier im Dialog

Altabt Varszegi ist auch Pionier des christlich-jüdischen Dialogs in seinem Heimatland und stieß u.a. mit einer Konferenz in Pannonhalma die Auseinandersetzung mit der Verfolgung der ungarischen Juden im Holocaust an. In kommunistischer Zeit hatte das Problem Antijudaismus offiziell nicht existiert. Auch in der Ökumene bemüht sich Varszegi, Kontakte im Geiste der Versöhnung und des gegenseitigen Verständnisses zu ermöglichen. 

Gegen Angst vor Veränderung

Politisch sprach sich Varszegi in den vergangenen Jahren in der Migrationsdebatte mehrfach gegen Hassparolen aus und plädierte für die überlegte Aufnahme von Flüchtlingen in Ungarn. „Ein Christ kann sich nicht leisten, dem Bedürftigen keinerlei Hilfe zu geben", bedauerte er etwa 2016 die rigide Abschottungspolitik der Regierung unter Viktor Orban. 2015 öffnete der damalige Erzabt die Tore der Abtei Pannonhalma für heimatlose Frauen und Kinder.

Ganz nach Vorbild des Heiligen Martin ruft Varszegi nach wie vor zum Einsatz für die Armen auf. Seine Kirche nahm der Altabt dabei nie aus. Immer wieder forderte er dazu auf, eine verbreitete Angst vor Veränderungen in der Kirche zu überwinden. Die katholische Kirche erscheine oft als eine „ecclesia biceps", eine doppelköpfige, zwiespältige Kirche, sagte Varszegi einmal. „Sie verkündet das Evangelium, aber oft fehlen Taten: Offenheit, Barmherzigkeit, Feindesliebe, Solidarität, Dialogfähigkeit, Mitleiden."

Verheiratete Priester werden die Kirche nicht retten

Eben diese Beispiele gelebten Glaubens hält der Altabt wohl auch für wichtiger als so manches oft diskutierte „heiße Eisen". Der Zölibat etwa sei „ein möglicher Weg Christus zu folgen", gleichzeitig aber werde seine Abschaffung allein die katholische Kirche nicht retten, so eines seiner Plädoyers in Fragen der Kirchenreform.

„Ich hoffe sehr, dass die innerkirchliche Opposition es nicht schafft, Papst Franziskus in eine Sackgasse zu treiben“


Klar bekennt sich der prominente Benediktiner - wie auch sein Nachfolger in Pannonhalma, Erzabt Cirill Hortobagyi - öffentlich zu Papst Franziskus. Er teilt nicht nur dessen immer wieder geäußerten Kritik an sozialer Ungerechtigkeit, Konsumgier und weltweit fortschreitender Umweltzerstörung, sondern auch den Ruf nach Erneuerung der Kirche. „Ich hoffe sehr, dass die innerkirchliche Opposition es nicht schafft, Papst Franziskus in eine Sackgasse zu treiben", betonte Varszegi in einem Zeitungsinterview.

(kap - gs)

24 Januar 2021, 11:04