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Kinder in einem Flüchtlingscamp im Sudan laufen hinter einem Panzer der Friedensmission UNAMID her - am 1. Januar 2021 endete der 13-jährige Einsatz der Friedenstruppen in dem Land Kinder in einem Flüchtlingscamp im Sudan laufen hinter einem Panzer der Friedensmission UNAMID her - am 1. Januar 2021 endete der 13-jährige Einsatz der Friedenstruppen in dem Land  (AFP or licensors)

Sudan: Ein Funken, der einen Flächenbrand der Gewalt auslöst

Nach dem Gewaltausbruch bei El-Geneina, Provinzhauptstadt von West-Darfur, der rund 200 Todesopfer gefordert hatte, scheint das Militär die Ruhe wieder hergestellt zu haben. Doch die Sorge vor einem erneuten Aufflammen der Gewalt bleibt bestehen. Der italienische Afrikaexperte Enrico Casale weist im Interview mit Radio Vatikan darauf hin, dass der Sudan derzeit eine delikate Phase der demokratischen Transition lebt.

Wie es scheint, fing alles mit einem Streit zwischen Mitgliedern zweier verschiedener Stämme an – um schließlich am vergangenen Sonntag in einem Blutbad zu münden, dem in den folgenden Tagen im Sudan, genauer im dortigen Bundesstaat West-Darfur, etwa 200 Menschen zum Opfer gefallen sind. Unter den Opfern sind auch Frauen und Kinder zu beklagen, während die Zahl der Verletzten noch höher liegt. Besonders schwer Verletzte wurden für die medizinische Behandlung in die Hauptstadt Khartoum überführt. Erst die Verhängung einer durchgehenden Ausgangssperre durch die Regierung und die Entsendung von Militär in die Region konnte den Ausschreitungen Einhalt bieten. Die Zusammenstöße zwischen Mitgliedern des arabischen Stammes der Rizeigat und der nicht arabischen Massalit haben Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge auch die Vertreibung von rund 50.000 Menschen verursacht.

Sudan: Ein Funken, der einen Flächenbrand der Gewalt auslöst

Einsatz der Friedenstruppen ist beendet

Seit dem 1. Januar ist nach 13 Jahren Einsatz die Friedens-Mission UNAMID, in deren Rahmen Truppen der vereinten Nationen und der Afrikanischen Union für Sicherheit und Stabilität in Darfur sorgen sollten, beendet. Es war die sudanesische Übergangsregierung selbst, die eine entsprechende Anfrage gestellt hatte, um in Zukunft selbst für das Territorium verantwortlich zu sein.

Probleme wurden nie gelöst

Doch die Aufgabe stellt sich als schwierig dar: „Die Explosion neuer Spannungen lässt uns annehmen, dass die Probleme nicht gelöst wurden, es reichte ein Unfall aus, um unerhörte Gewalt zwischen den Völkern arabischen und afrikanischen Ursprungs auszulösen, die vor allem an der Grenze zum Tschad leben“, meint im Gespräch mit Radio Vatikan der Afrikaexperte Enrico Casale. „Diese Spannungen zeigen auf, wie man in den vergangenen Jahren einen Deckel auf einen Topf gesetzt hat, der immer noch weiterkocht. Diese Spannungen entladen sich in einem sehr delikaten Moment politischer Transition.“

Mit dem Sturz des ehemaligen Präsidenten al-Bashir 2019 und der Einsetzung einer Übergangsregierung  habe diese Phase der Transition begonnen, die das Land in die Demokratie führen soll, erläutert Casale: „Aber es ist eine sehr delikate Phase, eine Phase des Übergangs. In dieser Übergangsphase haben sich verschiedene Krisen entwickelt, neben Darfur auch die Spannungen, die sich in den letzten Wochen, besonders in der letzten Wochen mit Äthiopien ergeben haben, sowohl was die Grenzen betrifft als auch das Projekt des großen Staudammes, mit dem Äthiopien den Nil aufstaut.“

 

Eine delikate Übergangsphase

Alle umliegenden Länder seien daran interessiert, dass das Drama, das sich derzeit im Sudan abspiele, schnell gelöst werde, denn die Instabilität habe schwerwiegende Folgen für die gesamte umliegende Region, betont Casale. „Also Sudan, Tschad, aber auch die Stabilität der angrenzenden Zentralafrikanische Republik, die ebenfalls eine Phase großer Instabilität lebt. Deshalb ist es klar, ein Wiederaufflammen der Spannungen könnte eine Phase der Instabilität für die gesamte Zone mit sich bringen, die schon jetzt eine sehr delikate Zone ist. Und deshalb hat die Internationale Gemeinschaft ein Interesse daran, den Frieden wiederherzustellen.“

Für einen Friedensschluss sei die Hilfe der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union zwar unerlässlich, meint der Afrikaexperte.  „Aber gleichzeitig braucht es auch den Einsatz der Zentralregierung in Khartoum, damit es gelingt, gute Beziehungen zwischen den lokalen Gemeinschaften wiederherzustellen. Das betrifft vor allem die Verwaltung der Ressourcen, von den Weideflächen hin zum Wasser. Das sind Ressourcen, die immer knapper und damit wertvoller werden, und somit leider auch diese Spannungen auslösen können.“

(vatican news - cs)

22 Januar 2021, 13:29