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Irinej I. von Belgrad Irinej I. von Belgrad  (ANSA)

Serbien: Orthodoxer Patriarch stirbt an Corona

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej I. ist im Alter von 90 Jahren am Coronavirus gestorben. Das teilte das Patriarchat in Belgrad am Freitag mit. Am kommenden Sonntag soll er beigesetzt werden. In Serbien wurde unterdessen eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. .

Am Sitz des Patriarchats in Belgrad trat nach Bekanntwerden der Todesnachricht das Leitungsgremium der serbisch-orthodoxen Kirche, der Heilige Synod, zusammen. Gemäß Kirchenverfassung übernimmt der Synod bis zur Wahl eines neuen Patriarchen dessen Aufgaben. Gleitet wird das Gremium bis dahin vom Metropoliten Hrizostom (Jevic) von Dabrobosnien/Sarajevo. Der Metropolit leitete am Freitagvormittag in der Belgrader Michaelskathedrale auch den ersten Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Patriarchen.

Zum Übergangsverwalter der nach dem Tod Irinejs vakanten Erzdiözese Belgrad und Karlovac wählte der Heilige Synod den Eparchen Jovan (Mladenovic) von Sumadija.

Positiver Test vor zwei Wochen

Irinej war vor zwei Wochen positiv getestet und am 4. November in ein Militärkrankenhaus in der serbischen Hauptstadt eingeliefert worden. Zuletzt war er bei einer Beerdigung am 1. November in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Etwa 85 Prozent der serbischen Bevölkerung bekennen sich zur orthodoxen Kirche. Irinej war der 45. serbisch-orthodoxe Patriarch; er war 2010 Nachfolger des verstorbenen Patriarchen Pavle I. geworden. Politisch hielt sich Irinej eng an die Linie des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic, der erst im Oktober mit dem höchsten Orden der orthodoxen Kirche des Landes ausgezeichnet wurde.

Irinej 2019 mit dem russischen Präsidenten Putin
Irinej 2019 mit dem russischen Präsidenten Putin

Ökumenisch aufgeschlossen

Irinej war ein offener Gegner der Unabhängigkeit des Kosovo. Mit scharfen Worten wandte er sich auch gegen „Gay Pride“. In ökumenischer Hinsicht war Irinej aufgeschlossen. Nach der Wahl von Papst Franziskus 2013 zeigte er sich offen für einen Besuch des neuen Papstes in Serbien; allerdings sprach der Heilige Synod der Kirche keine entsprechende Einladung an den Papst aus. Serbien gehört zu den wenigen orthodox geprägten Ländern, die noch kein Papst besucht hat.

Patriarch Irinej wurde als Miroslav Gavrilovic am 28. August 1930 in Vidova in der serbischen Gemeinde Cacak geboren. 1974 wurde er zum Bischof von Moravica erwählt, die Bischofsweihe erteilte ihm der damalige serbische Patriarch German. Schon ein Jahr später wurde er zum Bischof von Nis bestimmt, der Geburtsstadt (Naissus) des Heiligen Kaisers Konstantin des Großen. Im Jahr 2010 erfolgte seine Wahl zum serbisch-orthodoxen Patriarchen.

Auch deutsche Bischöfe kondolieren

Auch die Deutsche Bischofskonferenz kondolierte an diesem Freitag zum Tod Irinejs. Über ein Jahrzehnt habe der Patriarch die Geschicke seiner Kirche mit großer Umsicht gelenkt und durch seine spirituelle Tiefe den Gläubigen Orientierung und Halt gegeben. „Ökumenische Offenheit zeichnete sein Denken und Handeln aus. So führte er die engen Beziehungen, die seit langer Zeit zwischen der Serbischen Orthodoxen Kirche und der Deutschen Bischofskonferenz bestehen, engagiert weiter.“

Eine Phase besonders intensiven Austausches sei die Zeit von 1999 bis 2009 gewesen, bei der die Serbische Orthodoxe Kirche, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland einen fruchtbaren Dialog zur Rolle der Kirchen angesichts der neuen politischen Verhältnisse auf dem Balkan und zur kirchlichen Verantwortung für Versöhnung und Frieden geführt hätten.
 

(vatican news/balkan insight/pro oriente/dbk – sk)

20 November 2020, 10:02