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Frankreich unter Schock: nach der Attacke von Nizza Frankreich unter Schock: nach der Attacke von Nizza  (ANSA)

Frankreich nach dem Terror: Bischöfe fordern mehr Einsatz für Respekt

Respekt und Geschwisterlichkeit zu fördern - das sehen die Bischöfe nach den jüngsten islamistischen Anschlägen im Land als einen wesentlichen Auftrag an die Politik und jeden einzelnen Bürger. Anlässlich der Trauerfeier für die Opfer von Nizza am Samstag machten sie dies in einer Erklärung deutlich.

Die tödlichen Angriffe auf einen Lehrer bei Paris und drei Katholiken in einer Kirche in Nizza schmerzten sie tief und seien „vorbehaltlos“ zu verurteilen, heißt es in dem Schreiben. Darin rufen die Oberhirten alle Landsleute zu mehr Behutsamkeit und Geschwisterlichkeit im Umgang miteinander auf: „Was wäre, wenn wir mit Respekt und Brüderlichkeit anfangen würden?“


Meinungsfreiheit braucht Debatte und Respekt

Freiheit müsse ohne Schwäche verteidigt werden, bekräftigen die Bischöfe, die zugleich fragen: „Bedeutet dies, dass die Meinungsfreiheit keine Zurückhaltung gegenüber anderen kennen und die Notwendigkeit von Debatten und Dialogen ignorieren darf?“ Gläubige könnten wie alle Bürger durch Spott und auch durch beleidigende Karikaturen verletzt werden, geben sie zu bedenken: „Mehr als zusätzliche Gesetze laden wir alle zu bewusstem Handeln und zum Respekt ein.“ Der getötete Lehrer hatte laut den Angaben im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit auch Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed gezeigt.


Aufbauend handeln

„Es ist Zeit darüber nachzudenken, wie unsere gemeinsamen Institutionen und unser individuelles Verhalten Respekt und Brüderlichkeit fördern können", appellieren die Bischöfe. „Diese dringende Überlegung muss von den Behörden eingeleitet werden. Es betrifft jeden von uns. Es geht uns alle an.“ Frankreichs Bischöfe verweisen auf ein Paulus-Zitat aus dem Neuen Testament: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut die Gemeinde auf“, heißt es im 1. Korinther-Brief (Vers 23-24.) „Denkt bei dem, was ihr tut, nicht nur an euch. Denkt vor allem an die anderen und daran, was für sie gut ist“, so die Bischofskonferenz.


In ihrem Appell beziehen sich die Bischöfe auch auf die Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus, in der er auf eine gemeinsame Erklärung mit dem muslimischen Großimam Ahmad Al-Tayyeb vom Februar 2019 verweist. Darin betonen beide, dass Religionen niemals Krieg auslösen, keine Hassgefühle hervorrufen oder zu Feindseligkeit, Extremismus oder Blutvergießen einladen dürften.


Trauerfeier vom Samstag

Der Opfer des Terroranschlags in der Basilika Notre-Dame von Nizza hat das Land am Samstag mit einer Trauerfeier gedacht. Dabei versicherte Premierminister Jean Castex der Kirche von Nizza und „der Kirche von Frankreich und allen Katholiken unseres Landes“ seine Unterstützung. Präsident Emmanuel Macron war bei der Feier nicht anwesend. Unter den Vertretern der Religionen waren Bischof Andre Marceau von Nizza, der Präsident des Französischen Rats des muslimischen Kultes (CFCM), Mohammed Moussaoui, sowie der Präsident der Protestantischen Föderation Frankreichs (FPF), Francois Clavairoly.


(kna – pr)
 

08 November 2020, 10:16