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Ein Versöhnungstreffen in M'batto nach Unruhen - Aufnahme vom 12. November Ein Versöhnungstreffen in M'batto nach Unruhen - Aufnahme vom 12. November  (AFP or licensors)

Elfenbeinküste: Geschichte wiederholt sich leider doch

Einmal mehr droht die Elfenbeinküste in einen Bürgerkrieg abzurutschen. Die Opposition will das Ergebnis der jüngsten Wahlen nicht anerkennen, die Regierung antwortet mit Repression, 15.000 Menschen sind in Nachbarländer geflohen.

Die katholischen Bischöfe rufen Präsident Alassane Ouattara und Oppositionsführer Henri Konan Bédié eindringlich dazu auf, sich zusammenzusetzen und den Konflikt unter sich zu klären. In einem am 20. November veröffentlichten Statement setzt sich der Ständige Rat der Bischofskonferenz auch ausdrücklich für eine Freilassung aller politischen Häftlinge ein.

Außerdem sollten alle, die ins Exil gegangen sind, zurückkehren dürfen, „um wieder ihren legitimen Platz im Prozess der Versöhnung im Land einzunehmen“. Dabei votieren die Bischöfe ausdrücklich für eine Rückkehr des früheren Präsidenten Laurent Gbagbo, der vor Jahren nach einer verlorenen Wahl vom damaligen Wahlsieger Ouattara mit französischer Militärhilfe aus dem Amt entfernt worden war.

Wenn „Friede“ zu einem leeren Wort wird

Friede dürfe „kein leeres Wort“ sein, warnen die Bischöfe. Wie in vielen Krisenländern Afrikas wird auch in Elfenbeinküste der politischen Haltung der Bischofskonferenz in der Bevölkerung große Bedeutung beigemessen. Die Kirche begeht in nächster Zeit das 125-Jahr-Jubiläum der Evangelisierung des Landes.

Ouattara ist letzten Monat bei Wahlen nach offiziellen Zahlen mit 94 Prozent der Stimmen im Präsidentenamt bestätigt worden. Die Wahlen waren heftig umstritten, weil der 78-Jährige damit – entgegen einer Bestimmung der Verfassung – eine dritte Amtszeit als Staatschef erhält; seit seiner Ankündigung, dass er wieder antreten wolle, wird die Elfenbeinküste von Unruhen erschüttert. Dutzende von Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt.

Bedenkliche Signale in mehreren Staaten Westafrikas

Das Verfassungsgericht hatte nur vier von über vierzig Kandidaten als Bewerber um die Präsidentschaft zugelassen. Die zwei größten Oppositionsparteien hatten zum Boykott der Wahl aufgerufen, das offizielle Wahlergebnis wird weithin angezweifelt. Viele Oppositionsvertreter wurden verhaftet oder stehen unter Hausarrest. Bei einem ersten Treffen ist es Ouattara und Konan Bédié letzte Woche nicht gelungen, die Spannungen zu entschärfen.

Der Konflikt in Elfenbeinküste weckt bei Beobachtern Befürchtungen, dass das politisch-soziale Klima in ganz Westafrika schwierig wird. In Nigeria haben Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Polizeiwillkür gewaltsam unterdrückt; in Guinea sicherte sich Präsident Alpha Condé bei umstrittenen Wahlen – ebenfalls gegen die Verfassung des Landes – eine dritte Amtszeit.

Keine Einigung: Ouattara (r.) und Konan Bédié
Keine Einigung: Ouattara (r.) und Konan Bédié

Böse Erinnerungen an 2010

2010 ist Ouattara in der Elfenbeinküste unter bürgerkriegsartigen Umständen erstmals ins höchste Amt gelangt. Damals starben etwa 3.000 Menschen; Hunderttausende flohen, die meisten davon nach Liberia. Menschenrechtler sprechen von einem Niedergang der politischen Freiheiten während Ouattaras Präsidentschaft.

(fides/vatican news – sk)
 

23 November 2020, 11:16