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Präsident Nicolás Maduro Präsident Nicolás Maduro  (ANSA)

Venezuela: Bischöfe stellen sich hinter Demonstranten

Die Bischöfe stellen sich hinter die Demonstrationen, die an diesem Freitag in ganz Venezuela stattfinden sollen. Sie rufen die Protestierenden aber dazu auf, friedlich zu bleiben.

In einem Hirtenbrief stellen die Bischöfe dem Regime von Nicolás Maduro ein vernichtendes Zeugnis aus. Es sei „unfähig“, das Land aus seiner tiefen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Krise herauszuführen, und verschwende die letzten Ressourcen, die Venezuela noch blieben. Doch auch der Opposition machen die Bischöfe Vorwürfe: Sie habe genauso wenig einen Plan oder ein „Projekt“ für das Land wie die Regierung.

„Venezuela schreit laut nach einer neuen Einstellung in seiner ganzen politischen Klasse“, heißt es in dem Brief wörtlich. Die schwere Krise im Land werde durch die Corona-Pandemie noch verschärft. „Die Regierung hat sich als unfähig erwiesen, die Probleme der Nation zu lösen, und verschärft sie eher noch. Ihr einziges Ziel scheint darin zu bestehen, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.“

Wahlen sind keine Lösung

Hart gehen die Bischöfe mit einem „Anti-Blockade-Gesetz“ ins Gericht. Die Verfassungsgebende Versammlung, die es verabschiedet hat, sei „illegitim“. Das Gesetz zeige, dass die Regierung weiter jenseits der Legalität arbeiten wolle. Keine politische Kraft im Land – auch nicht die Opposition – arbeite derzeit daran, „das Volk zusammenzuführen“.

Dass das Regime für den 6. Dezember Parlamentswahlen angesetzt hat, ist aus Sicht der Bischöfe keine Lösung für Venezuelas Krise, sondern wird diese Krise noch verschärfen. „Es ist unmoralisch, Wahlen abzuhalten, während das Volk unter den Folgen der Pandemie leidet und es ihm am Nötigsten zum Überleben fehlt.“ Außerdem mangle es an Transparenz „über die Regeln und Verifizierungs-Mechanismen“ der Wahl. Schon die Präsidentenwahlen von 2018 hätten, so der Hirtenbrief, „unter illegitimen Umständen“ stattgefunden.

Über sechzig Prozent der Familien in Venezuela lebt mittlerweile in extremer Armut. Nahrungsmittel und Medikamente sind knapp und werden immer teurer. Trotz der Pandemie kommt es immer wieder zu Demonstrationen. Das Regime hält sich aber im Sattel; es ist ihm gelungen, das Oppositionsbündnis zu spalten.

(vatican news – sk)

16 Oktober 2020, 10:40