Saß neun Jahre in der Todeszelle: die Christin Asia Bibi Saß neun Jahre in der Todeszelle: die Christin Asia Bibi 

Kanada/Pakistan: Asia Bibi distanziert sich von Biografie

Die ehemals inhaftierte und zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi hat sich von einer Biografie distanziert, die Ende des Monats veröffentlicht werden soll. Menschrechtsaktivisten reagierten teils entrüstet auf die Aussagen der seit Mai 2019 in Kanada lebenden Katholikin.

„Ich war an der Biografie nicht beteiligt“, sagte Asia Bibi in einem Interview mit dem Programm des Senders „Voice of America“ (VOA) vom Montag. Sie bezog sich dabei auf die von der französischen Schriftstellerin Anne-Isabelle Tollet verfasste Biografie „Enfin Libre!“ (Endlich frei!), die Ende des Monats veröffentlicht werden soll. Tollet war es nach Asia Bibis Freispruch als einziger Journalistin gestattet worden, mit Asia Bibi zu sprechen. Sie hatte eine Schlüsselrolle im Kampf um die Befreiung der pakistanischen Katholikin aus der Haft gespielt; Asia Bibi hatte im Februar noch bekanntgegeben, sie bitte in Frankreich um Asyl.

Zum Nachhören

„Nicht meine Autobiografie“

Aus dem Interview mit „Voice of America“, das auf der pakistanische Sprache Urdu geführt wurde, zitiert der asiatische Pressedienst Ucanews Asia Bibi nun mit den Worten:

„Ich weiß nicht, wann sie die Biografie geschrieben hat, wessen Geschichte es ist und wer sie für das Buch geleitet hat. Ich bin mit diesem Buch absolut nicht einverstanden, weil es nicht meine Autobiografie ist.“

In dem Gespräch lobt Asia Bibi offenbar das Rechts- und Justizsystem Pakistans und rechtfertigt indirekt auch das Blasphemiegesetz.
„Das Buch erzählt, dass das Gesetz mir eine Schlinge um den Hals gelegt hat. Das Gesetz hat es nicht getan. Es war ein Vorfall im Dorf, als die Leute mich ohne jeden Grund töten wollten. Sie [Tollett] gab dem Gesetz die Schuld, aber ich akzeptiere nichts, was gegen das Gesetz oder mein Land verstößt“, so die pakistanische Christin laut Ucanews.

„Mein Land hat mich befreit“, so Asia Bibi weiter: „Wenn Leute Anschuldigungen erheben, muss der betreffenden Person die Gelegenheit zur Rechtfertigung gegeben werden. Das Gesetz ist absolut gut, aber Menschen missbrauchen es.“

Reaktionen

Die Aussagen Bibis sorgten bei Christen in Pakistan sowie im ausländischen Exil laut Ucanews für Entrüstung und Unverständnis. Sie werteten sie teils als Verrat an all jenen Menschen und internationalen Institutionen und Regierungen, die sie bei ihrem Kampf gegen ihr Todesurteil unterstützt hatten.
Der ehemalige Erzbischof von Lahore, Lawrence Saldanha, der wie Asia Bibi in Kanada lebt, sagte kürzlich in einem Interview, Bibi wolle ein unauffälliges Leben führen. „Sie wollte den Kampf gegen das Blasphemiegesetz fortführen. Aber ich nehme an, jemand hat ihr gesagt, dass sie nicht sicher sei, wenn sie wieder aktiv wird“, zitierte Ucanews den Erzbischof.

Fast 9 Jahre in der Todeszelle

Die Katholikin Asia Bibi aus dem Punjab saß nach ihrer Verurteilung zum Tod wegen angeblicher Blasphemie fast neun Jahre in der Todeszelle, bis das Urteil im Jänner 2019 durch das höchste Gericht Pakistans letztinstanzlich aufgehoben wurde. Der Freispruch führte in Pakistan zu tagelangen gewaltsamen Protesten muslimischer Hardliner. Im Mai 2019 konnte sie unter größter Geheimhaltung nach Kanada ausreisen.

Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen, auf das die Todesstrafe steht. Amnesty International forderte Ende August angesichts einer „alarmierenden Zunahme von Blasphemiebeschuldigungen“ die Aufhebung der entsprechenden pakistanischen Gesetze. „Die breite, vage und zwanghafte Natur der Blasphemiegesetze verletzt die Rechte auf Religions- und Glaubens- und Meinungsfreiheit“, so die Menschenrechtsorganisation.

(ucanews/voice of america/kna – pr)
 

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03. September 2020, 08:23