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Kardinal Ranjith bei einer Pressekonferenz im April Kardinal Ranjith bei einer Pressekonferenz im April  (AFP or licensors)

Sri Lanka: Kardinal verlangt Aufklärung der Anschläge

Kardinal Malcolm Ranjith von Colombo ist unzufrieden mit den Ermittlungen zu den verheerenden Terroranschlägen, die Sri Lanka am Ostersonntag letzten Jahres heimgesucht haben.

In einer Ansprache in der Marienkirche von Ragama nördlich von Colombo meinte der Erzbischof der Hauptstadt, die staatlichen Ermittlungen hätten bislang nur die Namen einiger Politiker und Bürokraten zutage gefördert, die ihre Verantwortung nicht wahrgenommen hätten. „Die Menschen hinter den Kulissen, die den Auftrag zu diesen Angriffen gaben und die sozusagen die Bomben gelegt haben, wurden nicht gefunden.“

Neun Selbstmordattentäter einer örtlichen Islamistengruppe hatten zu Ostern 2019 drei Kirchen und drei Luxushotels angegriffen und mindestens 269 Menschen getötet. Über 500 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

„Jeder wäscht sich die Hände in Unschuld und geht nach Hause“

Ranjith erinnerte an das Versprechen der Regierung nach den Anschlägen, dass die Hintermänner entdeckt und zur Verantwortung gezogen würden. „Falls eine Regierung versucht, die Schuldigen zu verbergen, ohne sie zu bestrafen, werde ich gegen diese Regierung aufstehen“, so der Kardinal.

Die frühere Regierung – mittlerweile hat es in Sri Lanka einen Machtwechsel gegeben – habe „das Vorgefallene nicht ordentlich untersucht“. Sie habe die Hinweise eines ausländischen Geheimdienstes, dass Attentate drohten, ignoriert, und „Mitglieder der früheren Regierung versuchen immer noch, sich selbst zu retten“. Der Kardinal wörtlich: „Jeder wäscht sich die Hände in Unschuld und geht nach Hause, wie Pontius Pilatus.“

Hier geht es nicht um Politik...

Er kenne ein Opfer der Anschläge, das seine Frau und drei Kinder verloren habe: „Er schläft immer noch jede Nacht auf dem Friedhof“, so Ranjith. „Das verstehen die Leute der Regierung und die Politiker nicht. Hier geht es nicht um Politik, sondern um Menschlichkeit.“

(ucanews – sk)
 

31 August 2020, 13:22