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Giorgio Marengo vor seiner Bischofsweihe als Missionar in der Mongolei Giorgio Marengo vor seiner Bischofsweihe als Missionar in der Mongolei  (Afmc (Archivio fotografico Missioni Consolata))

Mongolei: Wo der Hirte wirklich nach seinen Schafen riecht

Die katholische Kirche in der Mongolei ist klein, aber lebendig: Sie dient den Menschen vor Ort und verkörpert das, was Papst Franziskus gerne ,Kirche im Aufbruch' nennt. Der Italiener Giorgio Marengo ist dort seit langer Zeit als Missionar tätig, nun ernannte der Papst ihn zum Apostolischen Präfekten von Ulan Bator.

Der Binnenstaat im östlichen Zentralasien liegt zwischen Russland und China und ist mit seiner Gesamtfläche von 1.564.120 km² mehr als viermal so groß wie Deutschland. Mit 2,1 Einwohner pro km² ist die Mongolei, obwohl sie eines der größten Länder Asiens ist, zugleich das am dünnsten besiedelte. Die Distanzen zwischen den einzelnen Dörfern sind enorm, unter einer Gesamtbevölkerung von 3,5 Millionen finden sich nur rund 1.300 Getaufte.

30 Prozent der Menschen leben als Nomaden, ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgenze. Die Kirche in dem Land kann durchaus als „Kirche der Peripherie“ gelten - mit wenigen Geistlichen, die ihr Zeugnis unter unwirtlichen Bedingungen leben. Doch gerade das stärkt den Gemeinschaftssinn: Hier, so erzählen die Missionare, tragen die Hirten wirklich den Geruch der Herde – auch weil das Haupteinkommen vor allem durch die Schafzucht erzielt wird.

Giorgio Marengo mit Gläubigen in der Mongolei
Giorgio Marengo mit Gläubigen in der Mongolei

Seit 2003 sind die in Turin beheimateten Consolata-Missionare in der Mongolei aktiv. Dort kümmern sie sich um die Nöte einer kleinen Herde, indem sie Nachmittagsbetreuung, Tagespflegedienste, öffentliche Duschen und Selbsthilfegruppen für Alkoholabhängige ins Leben gerufen haben. Frauen werden in kleinen Gruppen ermutigt, sich mit Kunsthandwerk ein eigenes kleines Auskommen zu schaffen. Ein Missionar der ersten Stunde in der Mongolei war auch Giorgio Marengo. Fast sein gesamtes Priesterleben hat er dort verbracht, im April hat der Papst ihn zum Apostolischen Präfekten von Ulan Bator berufen. Nur den aktuell wegen Corona äußerst strengen Einreise- und Visaregeln ist es geschuldet, dass seine Bischofsweihe nun in Turin stattfand.

Giorgio Marengo mit einem kleinen mongolischen Mädchen
Giorgio Marengo mit einem kleinen mongolischen Mädchen

Als Bischof in der Mongolei tätig zu sein, so unterstreicht er im Gespräch mit Radio Vatikan, sei für ihn so ähnlich wie das Bischofsamt in der Kirche der Ursprünge: „Die Kirche ist eine sehr kleine Realität, eine Minderheit, aber es gibt diese Gruppe von mongolischen Gläubigen, die mit großem Mut und auch Verantwortungsbewusstsein beschlossen haben, dem Herrn zu folgen und Teil der katholischen Kirche zu werden. Bischof in der Mongolei zu sein ähnelt also sehr dem, was die Apostel zu Beginn erlebt haben.“

Das Christentum in der Mongolei habe eine lange Tradition, erläutert der frisch geweihte Bischof, der das riesige Land mittlerweile in- und auswendig kennt. Schon vor dem Jahr 1000 sei der christliche Glaube dort präsent gewesen.

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Christentum hat eine lange Geschichte im Land

„Dann ist das Christentum nach dem Untergang des mongolischen Imperiums aus verschiedenen historischen und kulturellen Gründen praktisch verschwunden, und die buddhistisch-tibetische Tradition hat immer mehr Anhänger gewonnen und hat sich dergestalt inkulturiert, dass ein sehr origineller Buddhismus entstanden ist. Dieser wird mongolischer Buddhismus genannt. Das bedeutet, dass das Christentum praktisch über Jahrhunderte nicht praktiziert worden ist und nun in der Mongolei als etwas Neues wahrgenommen wird, das vor kurzem aus dem Ausland eingeführt worden ist – wobei vielleicht vergessen wird, dass es sich hier um eine weitaus ältere Geschichte handelt.“

Geschenk und Verantwortung

Bischof in der Mongolei zu sein, so fasst es Giorgio Marengo nochmals zusammen, bedeute also nicht nur ein „großes Geschenk“, sondern auch eine „große Verantwortung“, die ihn angesichts der „Gewichtigkeit“ des Amtes geradezu erschauern lasse: „Es nähert uns dem wahren Sinn der Mission an. Bischof sein für... ja, natürlich für die, die schon Christen sind, um ihnen dabei zu helfen, im Glauben zu wachsen, ihre Jüngerschaft für Christus zu fördern, und gleichzeitig in dem Bewusstsein für die Gesellschaft, die sich noch nicht wirklich mit dem Evangelium auseinandergesetzt hat.“

Missionarische Werke müssen durch Unentgeltlichkeit geprägt sein

Die missionarischen Werke, da ist sich der Apostolische Präfekt sicher, sind nicht dazu da, um Menschen dem Christentum zuzuführen, sondern sie sind nützlich wegen der Liebe, die mit ihnen ausgedrückt wird: „Ein Schlüsselwort ist die Unentgeltlichkeit“, betont er. „Ich habe dich lieb, weil ich dich lieb habe, nicht, weil ich mir irgendetwas im Tausch dafür erwarte, denn das ist keine Liebe. Das Evangelium, der Herr, haben auf jede Art und Weise versucht, uns das zu vermitteln, mit seinen Worten, mit seinen Werken und auch mit seinem Leben, Tod und Auferstehung. Sich den anderen zu widmen, Werke aufzubauen, ist grundlegend, weil die Liebe konkret ist, aber wir müssen immer wachsam sein, weil wir uns manchmal hinter einem Aktivismus verstecken, der uns selbst gut tut, aber letztlich gar nicht so transparent und unentgeltlich ist.“

Es sei zwar wichtig, mit seinen Werken zu versuchen, den realen Nöten der Menschen zu begegnen – doch andererseits dürfe man sich auch nicht der Illusion hingeben, alle Probleme lösen zu können, denen man sich gegenübersehe, unterstreicht der Apostolische Präfekt.

„Wir müssen auch realistisch sein und anerkennen, dass wir nur ein kleines Stück leisten können“

„Die Mission bringt dich in Kontakt mit vielen Wunden der Menschheit, Situationen der Armut, der sozialen Ungerechtigkeit, der sozialen Unausgewogenheit, die wir auf gewisse Weise überwinden wollen. Aber wir müssen auch realistisch sein und anerkennen, dass wir selbst nur ein kleines Stück leisten können. Das können wir gut machen, mit Großzügigkeit, Uneigennützigkeit und wirklichem Interesse, und das bringt den anderen vielleicht dazu, sich ausgehend von dieser Liebe Fragen zu stellen. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass sie katholisch werden oder dem folgen, was wir vorschlagen, aber sie werden in gewisser Weise spüren, dass dort der Kern unseres Lebens liegt und deshalb glaube ich, dass das Sinn macht.“

(vatican news - cs)

11 August 2020, 09:54