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Nach einem mutmaßlichen Militärputsch in Mali ist Präsident Ibrahim Boubacar Keïta zurückgetreten Nach einem mutmaßlichen Militärputsch in Mali ist Präsident Ibrahim Boubacar Keïta zurückgetreten   (AFP or licensors)

Mali: Präsident Keïta tritt zurück - Appelle zu Dialog

Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keïta ist in der Nacht auf Mittwoch zurückgetreten. Auslöser war mutmaßlich ein Militärputsch: Meuternde Soldaten hatten den Präsidenten sowie Premierminister Boubou Cisse festgesetzt. Seinen Rücktritt gab Keïta in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen ORTM bekannt. Er sagte, er wolle weiteres Blutvergießen vermeiden. Auch die religiösen Führer in Mali hatten zuvor bereits wiederholt zu Dialog und Frieden in dem westafrikanischen Land aufgerufen – ohne Erfolg.

Vermittlungsversuche Internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft waren in den vergangenen Wochen ebenso immer wieder gescheitert. Keïta war am Dienstag bei einem mutmaßlichen Putschversuch festgenommen worden und erklärte anschließend seinen Rücktritt. Er kündigte dabei auch an, die Nationalversammlung und das Parlament aufzulösen. Wer die militärische Revolte anführte, ist weiterhin unklar. Die Putschisten haben inzwischen Neuwahlen in Aussicht gestellt und versichert, sie würden internationale Verträge einhalten.

Weitere Destabilisierung Malis befürchtet

Laut Diplomaten wollte am Mittwoch der UNO-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Beobachter befürchten, dass Mali und die ganze Region durch die jüngste Entwicklung noch weiter destabilisiert werden könnten. Keïta stand zuletzt massiv unter Druck. Kritiker halten ihm vor, zu wenig gegen die schwere Sicherheitskrise im Norden und im Zentrum des Landes unternommen zu haben. Die Opposition wirft ihm Korruption und Wahlbetrug vor. 

Zum Nachhören

Friedenaufrufe der Religionen

Angesichts der heftigen Ausschreitungen in Mali hatten auch verschiedene Religionsvertreter des Landes immer wieder Ruhe und Dialog angemahnt. Noch Mitte Juli hatten etwa der Vorsitzende des Hohen Islamischen Rats, Ousmane Madani Haidara, der katholische Erzbischof von Bamako, Kardinal Jean Zerbo und Nouhou Ag InfaYattara, Präsident der Vereinigung der evangelisch-protestantischen Missionen in Mali, im Fernsehen gemeinsam zum Dialog aufgerufen. Mali ist zu 90 Prozent muslimisch, hat jedoch keine Staatsreligion.

„Wir sind sehr besorgt über die Wiederaufnahme der Gewalt in Bamako und wir wollen diese Gelegenheit nutzen, um zum Frieden aufzurufen... Mali hat nicht verdient, was derzeit passiert", sagte etwa Kardinal Zerbo damals im staatlichen Fernsehen „Radio et Télévision Nationale du Mali” (ORTM).

Hintergrund:

Der Sahel-Staat Mali steckt seit Jahren in einer schweren soziopolitischen Krise. Ein Grund dafür sind Anschläge verschiedener Terrorgruppierungen im Norden. Auch bekämpfen sich Milizen ethnischer Gruppen im Zentrum des Landes. Zudem gab es nach den Parlamentswahlen vom März 2020 Betrugsvorwürfe. 

(kna/fides/diverse – sst)

 

19 August 2020, 11:03