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Präsident Lazarus Chakwera von Malawi ist praktizierender Christ Präsident Lazarus Chakwera von Malawi ist praktizierender Christ  (AFP or licensors)

Malawi: Interreligiöse Spannungen

In der Hauptstadt Blantyre gibt es Spannungen zwischen Christen und Muslimen. Auslöser ist offenbar ein muslimischer Aufruf an Christen, den Koran zu lesen.

Die interreligiösen Beziehungen in dem Land mit christlicher Mehrheit waren bislang überwiegend friedlich. Doch nun hat ein vor dem Islamischen Informationsbüro (IIB) in Blantyre installiertes Plakat laut einem Bericht für Zündstoff in dem südafrikanischen Land gesorgt. In der Angelegenheit habe sich selbst Malawis Regierung jetzt eingeschaltet, um weitere Spannungen abzuwenden.

Plakat sorgte für Spannungen

Auf dem Schild werden Christen dazu aufgefordert, nach der Lektüre des Alten und Neuen Testaments „das Letzte Testament“ zu lesen, womit der Koran gemeint sei. Nachdem das Plakat schnell demoliert worden sei, habe das Islamische Informationsbüro Beschwerde gegen den Stadtrat von Blantyre und die Evangelische Vereinigung Malawis (EAM) wegen „Vandalismus“ eingereicht, berichtet cath.ch unter Verweis auf lokale Quellen.

Provokation oder einfach nur ein Aufruf zur Lektüre?

Christen in Malawi bezeichneten das Plakat als „Provokation“. Eine solche Öffentlichkeitsarbeit sei „inakzeptabel“, spiele Bibel und Koran gegeneinander aus und könne zu religiösen Konflikte führen, kritisierte die Evangelische Vereinigung Malawis (EAM). Pastor Zacc Kawalala drohte sogar, die Christen würden sich aktiv für die Entfernung des Plakates einsetzen, sollte dieses nicht abgehängt werden.

Andere christliche Stimmen sehen ein solches Vorgehen dagegen als „Überreaktion“. „Ich habe den Koran gelesen und seine Verse auswendig gelernt. Ich fand es nicht schlimm, dieses heilige Buch zu lesen“, schrieb etwa der Christ und Kommentator Stanly Onjezani Kenani auf seiner Facebook-Seite. Er empfinde das Plakat als keine Beleidigung für seine Glaubensgenossen sei.

Der Koordinator des Islamischen Informationsbüros (IIB), Scheich Ahmed Chiyenda, lehnte die Idee ab, dass seine Gemeinschaft versuchen würde, einen interreligiösen Konflikt zu schaffen. Weil die Menschen die Bibel gelesen hätten, müssten sie auch „den Koran lesen, das letzte heilige Buch für die Menschheit“. Der Scheich lud die EAM-Mitglieder ein, sich mit dem IIB in Verbindung zu setzen, um weitere Informationen über das beanstandete Poster zu erhalten.

Mehrheit Christen

Der sunnitische Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Malawi. Laut der Volkszählung von 2018 identifizierten sich knapp 80 Prozent der Bevölkerung als Christen (zumeist Protestanten) und etwa 14 Prozent als Muslime. Der amtierende Präsident von Malawi, Lazarus Chakwera, ist praktizierender Christ. In der Angelegenheit von Blantyre habe die Regierung den Ausschuss für öffentliche Angelegenheiten (PAC) gebeten, sich des Falles anzunehmen, um Spannungen abzuwenden.

(cath.ch – pr)

03 August 2020, 10:54