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Kinder in Beirut Kinder in Beirut  (ANSA)

Libanon: Das Drama der Kinder in einem Land in der Krise

Armut und Arbeitslosigkeit, das Coronavirus und dann der Notstand im Zusammenhang mit der Explosion Anfang August in Beirut: Die Krise im Libanon verschlimmert sich, und die Aufklärung der Geschehnisse vom 4. August verläuft sehr schleppend. All das hindert die Kirche nicht daran, mit ihren Missionaren sowie Freiwilligen der Nichtregierungsorganisationen zusammenzuarbeiten, um das Leid zu lindern.

Mario Galgano und Gabriella Ceraso - Vatikanstadt

Die Barmherzigen Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis arbeiten an einem Projekt zur Begleitung aller Bevölkerungsgruppen. Ihr Ziel: Den Wiederaufbau der Gemeinschaft fördern und den Dialog stärken. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan Schwester Grazia Maggese von den Barmherzigen Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis. Die Ordensfrau ist seit 27 Jahren im Libanon:

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„Die Kinder leiden mehr unter der gegenwärtigen Krise, die die Familien stark in Mitleidenschaft zieht. Trotz der Sorgen, die die Familien erleben, müssen die Eltern ihre Kinder unterstützen. Wir sind an ihrer Seite bei Studium, Wachstum, Entwicklung - so dass die Kinder neben dem Trauma der Explosion auch einen Hoffnungsschimmer haben können. Die Eltern fragen sich, was sie tun sollen, ob sie bleiben sollen, ob sie gehen sollen und wohin sie gehen sollen - ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung. Die Arbeitslosenquote ist schrecklich hoch.“

„Die Eltern fragen sich, was sie tun sollen, ob sie bleiben sollen, ob sie gehen sollen und wohin sie gehen sollen.“

Soziale Schere vergrößert

Die Coronavirus-Pandemie habe den Zustand aller verschlechtert, fügt die Ordensschwester an.

„Die Pandemie hat die soziale Schere vergrößert, Angst und Unsicherheit verbreitet, selbst bei der Behandlung von kleinen gesundheitlichen Problemen. Dann ist da noch die katastrophale Lage der Wirtschaft, die den Kauf von Masken, Desinfektions- Gels und Schutzausrüstung verhindert. Mit der Explosion am Hafen von Beirut dachten die Menschen nicht mehr daran, sich zu schützen, denn es gab einen Notfall zu bewältigen, und in den Krankenhäusern wurde fast alles zerstört. Jetzt muss man sich entscheiden, wen man behandelt und wen man nicht behandeln kann ... und das ist aus menschlicher und sozialer Sicht sehr schwer.“

„Entscheiden, wen man behandelt und wen man nicht behandeln kann ... das ist aus menschlicher und sozialer Sicht sehr schwer.“

Eine Missionarin oder ein Missionar höre den Leidensschrei des Volkes, sie oder er sehe, wie sehr das Volk leide, erläutert die aus Italien stammende Ordensfrau. „Nun, der Herr hat uns gesandt, und wir sind da trotz der Pandemie. So gingen wir schon nach der Explosion unter die Menschen, gerade als Zeichen der Solidarität und Geschwisterlichkeit“, so Schwester Maggese.

Drei Wochen nach der verheerenden Explosion sind die Beiruter immer noch am Aufräumen. Bei der Explosion in einer Lagerhalle im Hafen der libanesischen Hauptstadt kamen mindestens 130 Menschen ums Leben, fast 5.000 Menschen wurden verletzt.

(vatican news)

26 August 2020, 09:54