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Den einen störts, den anderen freuts: Türken vor der Hagia Sophia nach dem Regierungsbeschluss Den einen störts, den anderen freuts: Türken vor der Hagia Sophia nach dem Regierungsbeschluss  (ANSA)

Kirchen im Nahen Osten: Hagia Sophia-Beschluss ist ein harter Schlag

Die Reaktionen auf die Entscheidung der türkischen Regierung, den monumentalen Komplex der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln, gehen weltweit weiter. Der Weltkirchenrat ist „traurig und bestürzt“ über den türkischen Beschluss. Auch der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC) ist bestürzt.

Der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC), der Mitglied des ÖRK ist, spricht von „einem Angriff auf die Freiheit und das religiöse Zusammenleben“. Über ihren Generalsekretär, den Libanesen Souraya Bechealany, fordert sie daher die UNO und die Arabische Liga auf, formell gegen die Entscheidung Berufung einzulegen und - so heißt es - auch die „historische Symbolik, die durch die Kirche der Hagia Sophia repräsentiert wird“, zu bewahren.

Laut MECC sei der „gefährlichste“ Aspekt der Entscheidung, dass sie zu einem Zeitpunkt gekommen sei, in dem Christen und Muslime den Weg des Dialogs eingeschlagen hätten. Höhepunkt dieses Bemühens um ein friedliches Zusammenleben und gegen jeden Extremismus sei das historische Abu-Dhabi-Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit gewesen. Papst Franziskus und der Großimam von Al Azhar, Ahmed Al-Tayeb, hatten es am 4. Februar 2019 unterzeichnet.

Ähnliche Reaktionen

Nach den eindringlichen Worten der Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, und Moskau, Kyrill,  zu denen sich am Sonntag auch die Stimme von Papst Franziskus im Angelus gesellte, brachte auch der Generalsekretär ad interim des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Ioan Sauca, im Namen aller 350 Mitgliedskirchen „Trauer und Bestürzung“ über die Initiative zum Ausdruck.

„Mit der Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee hat man ein positives Zeichen für die Offenheit der Türkei in ein Zeichen der Ausgrenzung und Spaltung verwandelt“, sagte Sauca. Nach Ansicht des ÖRK werde die Rückbesinnung auf diesen „symbolischen Ort“ „unweigerlich Unsicherheit, Misstrauen und Verdächtigungen hervorrufen“ und alle Bemühungen vereiteln, die auch von den christlichen Kirchen unternommen werden, um den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen zu fördern. Der Weltkirchenrat befürchtet auch, dass dadurch die Ambitionen anderer Gruppen anderswo gefördert werden, „den bestehenden Status quo umzukehren und eine erneute Spaltung zwischen den Religionsgemeinschaften zu fördern“.

(vatican news – mg)

14 Juli 2020, 09:45