Die Reformen im Sudan sehen vor, dass Christen in Zukunft Alkohol konsumieren und verkaufen dürfen Die Reformen im Sudan sehen vor, dass Christen in Zukunft Alkohol konsumieren und verkaufen dürfen 

Sudan: Fortschritt bei Religionsfreiheit

Der Sudan lockert 30 Jahre nach der Einführung des islamischen Scharia-Rechts mehrere drastische Gesetze. Abgeschafft ist unter anderem das schwer diskriminierende Apostasiegesetz, wonach bisher für Abfall vom (muslimischen) Glauben die Todesstrafe stand.

Das berichtete die afrikanische Nachrichtenagentur Ecofin am Wochenende. Christen soll es zudem künftig erlaubt sein, Alkohol zu trinken, zu importieren und zu verkaufen, kündigte die Übergangsbehörden des afrikanischen Landes an.

„Niemand hat das Recht, irgendeine Person oder Gruppe als ungläubig zu bezeichnen", sagte der sudanesische Justizminister Nasredeen Abdulbari am Wochenende in einem Interview mit dem Staatsfernsehen. Dies bedrohe „die Sicherheit der Gesellschaft und führt zu Rachemorden".

Die bisher gültigen Bestimmungen bei Abfall vom muslimischen Glauben hatten im Sudan zuletzt 2014 für weltweites Aufsehen gesorgt, als Mariam Yehya Ibrahim Ishag deshalb zum Tode verurteilt wurde. Die damals schwangere 28-jährige Ärztin war von ihrer Mutter zum christlichen Glauben erzogen worden und wollte nicht der Religion ihres muslimischen Vaters folgen, der seit ihrer Kindheit abwesend war. Erst nach anhaltenden internationalen Protesten wurde sie aus dem Gefängnis entlassen, am Folgetag jedoch erneut für 48 Stunden festgenommen. Schließlich konnte die Sudanesin mit ihrer Familie über Rom - wo sie Papst Franziskus traf - in die USA ausreisen.

Schwieriger Demokratisierungsprozess

Die jüngsten Entscheidungen der Übergangsregierung sind Teil eines schwierigen Demokratisierungsprozesses, dem viele internationale Finanzinstitutionen, die jetzt Hilfe gewähren, Bedingungen wie die Aufhebung des Abfalls auferlegen. Die Übergangsregierung, die nach dem Sturz des langjährigen autoritären Staatschefs Omar al-Bashir vor einem Jahr eingesetzt worden war, hatte zuvor die für die drei Jahre geltende Übergangsverfassung für das nordostafrikanische Land die Definition des Sudans als islamischer Staat gestrichen

Für die nun ebenfalls verfügte Legalisierung von Alkohol für Nicht-Muslime nannte Justizminister Nasredeen Abdulbari als Bedingung, dass es „nicht den Frieden stört" und der Alkohol nicht in der Öffentlichkeit getrunken werde. Alkohol ist im Islam verboten. Allerdings lebt im Sudan eine bedeutende christliche Minderheit.

Verbot der Genitalverstümmelung

Bereits am Freitag hatte der Souveräne Rat des Sudan ein Verbot der Genitalverstümmelung bei Frauen beschlossen. Demnach können Menschen, die diesen Eingriff vornehmen, zu bis zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt werden. Verantwortlichen Krankenhäusern und anderen Einrichtungen droht die Schließung. Die uralte Praxis untergrabe die Würde von Frauen, hieß es aus dem Justizministerium. Bereits im Mai hatte die Regierung einer entsprechenden Änderung des Strafrechts zugestimmt.

Genitalverstümmelung wurde zuletzt im Sudan laut UNO-Schätzungen noch immer bei neun von zehn Mädchen angewendet. Bei der extremsten Form dieser Praxis werden die Schamlippen und die Klitoris herausgeschnitten, oft ohne Betäubung und unter unhygienischen Umständen. Der Eingriff kann zu zahlreichen physischen, psychischen und sexuellen Problemen führen und im schlimmsten Fall zum Tod. Weltweit sind nach Angaben der Vereinten Nationen derzeit 200 Millionen Mädchen und Frauen von dieser Praxis betroffen. In diesem Jahr sind laut dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) 4,1 Millionen weitere Mädchen und Frauen dadurch bedroht.

(kap - gs)

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13. Juli 2020, 11:55