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Maroniten-Patriarch Bechara Boutros Rai Maroniten-Patriarch Bechara Boutros Rai   (DRB)

Libanesischer Premier berät mit maronitischem Patriarchen

Der maronitische Patriarch Kardinal Bechara Rai wird in der aktuellen Krise des Libanon offensichtlich immer mehr zu einem Ansprechpartner führender Politiker. Rai hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt öffentlich für eine Neutralität des Libanon ausgesprochen, darunter auch im Interview mit Radio Vatikan.

Nach einer Begegnung mit Präsident Michel Aoun am Mittwoch traf Kardinal Bechara Rai am Samstag mit Ministerpräsident Hassan Diab zusammen, der per Militärhubschrauber zum Sommersitz Dimane des Patriarchen gekommen war.



Schwere Wirtschafts- und Finanzkrise

Rai hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt öffentlich für eine Neutralität des Libanon ausgesprochen, darunter auch im Interview mit Radio Vatikan. Das Land müsse bei den politischen und militärischen Konflikten in der Region außen vor bleiben. Neben der Corona-Pandemie wird der Nahoststaat derzeit von einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise sowie heftigen Protesten erschüttert.



Neutralität als Teil libanesischer Einheit

Neutralität sei weder seine persönliche Idee noch ein Luxus; sie gehöre zum Wesen der libanesischen Einheit, erklärte Rai am Freitag bei einem Besuch im Qannoubine-Tal. In dem bis heute geltenden Nationalpakt von 1943 habe der Libanon seine Neutralität gegenüber dem Westen und dem Osten erklärt, und damit allen Bürgern - Christen und Muslimen - ein Leben in Wachstum und Wohlstand ermöglicht. „Dagegen leben wir heute in Armut und Entbehrung“, so der Kirchenführer.



Begegnungsort der Religionen

Der Libanon sei traditionell ein Treff- und Begegnungspunkt der Religionen. Neu sei heute, dass die Hisbollah „eine Art Hegemonie über die Regierung und die libanesische Politik hat, weil sie sich auf arabische und internationale Kriege und Ereignisse einlässt, die der Libanon überhaupt nicht will“, so der Kardinal Mitte der Woche im Interview mit Radio Vatikan.



„Dies hat zu einer großen politischen Krise und einer sehr schweren wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Krise geführt“, fügte der Patriarch hinzu. „Wir sind nicht gegen die Hisbollah, aber wir wollen in Gleichheit zusammenleben und unsere libanesische Gesellschaft aufbauen.“ Die Rettung könne nur in einer positiven und engagierten Neutralität liegen, so Patriarch Rai.

(vatican news/kap – pr)


 

19 Juli 2020, 09:53