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Bawa an seinem Arbeitsplatz Bawa an seinem Arbeitsplatz 

Afrikanischer Arzt: Covid-Patienten nicht stigmatisieren!

Er ist der Koordinator eines Notfall-Zentrums für öffentliche Gesundheit in Zentralafrika. Und er hat am eigenen Leib erfahren, was Corona bedeutet: Denn Maurice Bawa hat sich selbst mit dem Virus angesteckt.

Jean-Paul Kamba und Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Im April 2020 habe ich festgestellt, dass ich mit Covid-19 infiziert war“, erzählt Bawa in unserem Telefongespräch. „Da habe ich an den Eid des Hippokrates gedacht, in dem es heißt: Der Gesundheit der Patienten muss unsere erste Sorge gelten. Als Koordinator im Kampf gegen Covid-19 war ich nicht einfach im Büro geblieben, sondern war zu den Patienten gegangen, war in Kontakt mit den Kranken gekommen. Bestimmt habe ich mir dabei diese Krankheit zugezogen.“

Aber der Arzt aus der Hauptstadt Bangui bereut es nicht, dass er beim Einsatz gegen das neue Corona-Virus seine Gesundheit riskiert hat. „Ich war stolz auf meine Arbeit: Da ging es darum, Leben zu retten, aber auch, Erfahrungen im Umgang mit einer neuen, noch unbekannten Krankheit zu sammeln. So etwas ist sehr wichtig; darum bin ich zu den Kranken gegangen.“

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Das Schlimmste kommt vielleicht erst

Bisher hat Covid-19 die bitterarme Zentralafrikanische Republik noch einigermaßen verschont: Nur vier Todesfälle, ihnen stehen 23 Heilungen gegenüber. Die Gesamtzahl der Infektionen hat kaum erst die Tausendermarke überschritten. Doch viele Menschen im Land leben unter hygienisch schlechten Bedingungen, das Gesundheitssystem gehört zu den schlechtesten der Welt. Darum könnte der Zentralafrikanischen Republik das Schlimmste erst noch bevorstehen.

„Ein paar Tage, nachdem ich in Kontakt mit einem bestätigten Covid-Patienten gewesen war, kam es bei mir zu Symptomen, die allerdings Covid-untypisch waren. Das war vor allem eine große Müdigkeit. Ich schob sie darauf, dass ich im Krankenhaus viel zu tun und außerdem an diesem Tag – es war der 5. April – Sport gemacht hatte. Am nächsten Tag kam dann auch Husten dazu. Einen Tag später habe ich mich darum testen lassen, und noch am Abend hat man mir mitgeteilt, das Resultat sei positiv.“

Mit seiner Frau - vor Bawas Corona-Erkrankung
Mit seiner Frau - vor Bawas Corona-Erkrankung

Eine unangenehme Erfahrung

Er sei nicht in Panik verfallen, sagt Bawa – gottseidank sei er Arzt, da könne er mit solchen Situationen „mutig“ umgehen. „Es ist ja bekannt, dass man als Infizierter alle Kontakte zu anderen Personen einstellen muss – allem voran mit meiner Familie, natürlich. Meine Frau und unsere fünf Kinder wurden auch getestet, aber negativ.“

Allerdings musste Doktor Bawa dann erleben, wie schnell ein Covid-Infizierter von anderen gemieden wird. Eine sehr unangenehme Erfahrung, die ihm die Augen geöffnet hat.

„Man forderte sie auf, sich davonzumachen, um nicht die ganze Nachbarschaft anzustecken“

„Die Meldung hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Als meine Mitarbeiter – die übrigens alle negativ getestet wurden – abends nach Hause kamen, wurden sie von Nachbarn beschimpft und bedroht. Man forderte sie auf, sich davonzumachen, um nicht die ganze Nachbarschaft anzustecken. Meinen eigenen Nachbarn wurde, als sie Wasser kaufen wollten, gesagt: Nein, euch bedienen wir nicht, ihr habt da doch einen Infizierten bei euch. Das wurde immer schlimmer!“

Bawa ging in Quarantäne; untergebracht war er in einem Krankenhauszimmer, unter ärztlicher Aufsicht. „Die Isolierung ist wirklich hart: Du kannst nicht raus, du kannst deine Eltern nicht besuchen, dein Radius ist nicht größer als Dusche, Klo und Zimmer. Ich habe 22 Tage im Krankenhaus in Quarantäne verbracht.“

Straßenszene in Bangui, April 2020
Straßenszene in Bangui, April 2020

Zitterpartie mit den Corona-Tests

Das sei keine einfache Zeit gewesen, gibt der Arzt zu. Bei ihm kam auch zu allem Überfluss eine Zitterpartie bei den Corona-Tests dazu.

„Am siebten Tag im Krankenhaus ergab der Test ein negatives Resultat. Aber man hat mir gesagt: Es ist besser, noch einen zweiten Test abzuwarten, und wenn der auch negativ ausgeht, kann man dich wieder entlassen. Dieser zweite Test fiel dann aber positiv aus, und auch mehrere weitere Tests: immer positiv. Erst als es zweimal hintereinander dann ein negatives Testresultat gab, konnte ich entlassen werden und die Isolierung zuhause fortsetzen.“

„Wer krank ist, der braucht Hilfe und Unterstützung, den darf man nicht wie einen Aussätzigen behandeln“

Bawa steht auch jetzt noch unter Quarantäne. Und er hat eine Botschaft an die Außenwelt. „Meine Botschaft lautet: Man darf Covid-Kranke nicht stigmatisieren, und man sollte Covid-19 wie jede andere Krankheit behandeln. Wie die Grippe, zum Beispiel. Die Stigmatisierung muss dringend aufhören! Wer krank ist, der braucht Hilfe und Unterstützung, den darf man nicht wie einen Aussätzigen behandeln. Es gibt Fälle, da werden Infizierte aus ihren Häusern und sogar aus ihren Stadtvierteln vertrieben. Es darf nicht so weit kommen, dass jemand nicht an der Krankheit selbst stirbt, sondern an seiner Ausgrenzung und Stigmatisierung durch seine Gemeinschaft!“

(vatican news)
 

02 Juni 2020, 11:49