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Kardinal Béchara Boutros Raï, maronitischer Patriarch im Libanon Kardinal Béchara Boutros Raï, maronitischer Patriarch im Libanon 

Libanon: Appell an die Politik

Der maronitische Kardinal-Patriarch Bechara Boutros Rai hat die Politiker seines Landes dazu aufgefordert, an dem für Donnerstag von Präsident Michel Aoun ausgerichteten Dialog-Forum teilzunehmen.

Über den Appell des maronitischen Kirchenführers vom Sonntag berichtet die Stiftung „Pro Oriente“. Auf keinen Fall dürften die Politiker den Hoffnungen der jungen Leute, die seit Monaten im Libanon auf die Straße gehen, eine „kalte Dusche“ verabreichen, zitiert sie Kardinal Rai. Der Patriarch leitet die größte katholische Ortskirche im ganzen Nahen Osten; sein Wort hat traditionell auch in der libanesischen Innenpolitik großes Gewicht.

Libanons Präsident Aoun, der selbst der maronitischen Kirche angehört, hatte anlässlich der ständig weitergehenden Demonstrationen gegen die wirtschaftliche und soziale Krise zu dem „erweiterten Dialog“ am 25. Juni im Präsidentenpalais in Baabda eingeladen.

Der Libanon befindet sich derzeit in einer wirtschaftlichen und sozialen Notlage. Das Bankensystem steckt in einer tiefen Krise, die Arbeitslosenrate beträgt 50 Prozent, 45 Prozent aller Bewohner des Landes leben mittlerweile unter der Armutsgrenze. Wenn der Internationale Währungsfonds (IMF) nicht eingreift, kommt es zum Staatsbankrott.

Sanktionen gegen Syrien wirken sich auch im Libanon aus

Die Situation des Libanon ist laut „Pro Oriente“ eng mit der Syriens verbunden. Am Mittwoch ist die Ende 2019 beschlossene verschärfte Fassung der US-Sanktionen („Caesar Act“) in Kraft getreten. Damit sind keine offiziellen Geschäfte libanesischer Wirtschaftstreibender mit Syrien mehr möglich.

In Beirut und Damaskus werde vermutet, dass der „Caesar Act“ eine doppelte Zielrichtung hat, berichtet „Pro Oriente“: Er solle die Regierung Assad in die Knie zwingen und Baschar Assad zum Aufgeben veranlassen, als Nebeneffekt solle die Macht der schiitischen „Hizbollah“ im Libanon gebrochen werden.

(poi – pr)
 

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22. Juni 2020, 09:22