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 Ordensfrauen in der Corona-Krisenregion Bergamo Ordensfrauen in der Corona-Krisenregion Bergamo  (AFP or licensors)

Ordensfrauen an der Front: Ein Leben im Dienst am Nächsten

Ein Online-Seminar hat den selbstlosen humanitären Dienst gewürdigt, den Ordensfrauen auf der ganzen Welt leisten. Ziel der Veranstaltung sei es, „die Opfer herauszustellen, die Ordensfrauen in der Erfüllung ihres Dienstes bringen“, stellte Callista Gingrich, US-Botschafterin beim Heiligen Stuhl und Co-Moderatorin der Veranstaltung, bei der Vorstellung an diesem Dienstag heraus.

Silvia Kritzenberger und Bernadette Mary Reis fsp - Vatikanstadt

„Viele haben beim Dienst an den anderen das ultimative Opfer gebracht,“ so die US-Botschafterin. Ihr Andenken müsse bewahrt und geehrt werden.

Die britische Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Sally Axworthy, würdigte „die großartige Arbeit, die religiöse Orden auf der ganzen Welt leisten“: in der Krankenpflege ebenso wie bei der Rettung von Opfern des Menschenhandels. Ihre Dienste würden überall dort angeboten, wo es keine Alternativen gibt, so die Botschafterin.

Nach den Einführungsreden kamen die Schwestern selbst zu Wort.

Zum Nachhören

Frontarbeit inmitten einer Pandemie

Sr. Stan Terese Mario Mumuni ist in Ghana tätig. 2009 hat sie dort ein Waisenhaus für Kinder mit Geburtsfehlern eröffnet, die man sonst getötet hätte. Die Arbeit, die sie und ihre Mitschwestern leisten, werde auch von der muslimischen Bevölkerung anerkannt, erzählt sie. Die Pandemie habe alle überrascht. Die Schwestern hätten die von ihnen betreuten Kinder von einem Tag auf den anderen von den Schulen abholen müssen. Die Pandemie habe alle Hilfssysteme praktisch über Nacht zusammenbrechen lassen. Und so hätte man eben begonnen, die Kinder im Alleingang zu betreuen. Einige seien blind, andere taub, wieder andere hätten Wirbelsäulen- und andere Defekte... Noch immer erhielten sie Anrufe von Menschen, die sie bitten, ihre Kinder aufzunehmen, die sonst getötet würden. Sie und ihre Mitschwestern würden sich ganz auf Gottes Vorsehung verlassen und könnten nur darüber staunen, was bewirkt werden könne, wenn man so gut wie nichts habe, so die Ordensfrau aus Ghana.

Die Geißel des Menschenhandels

Sr. Imelda Poole, vom Orden der seligen Jungfrau Maria, sprach über ihre Arbeit mit Opfern des Menschenhandels in Albanien. Die von ihr gegründete NGO „Mary Ward Loreto“ untersucht die Ursachen des Menschenhandels. Sie arbeitet auch mit RENATE (Religious in Europe Networking Against Trafficking and Exploitation) zusammen, einer Organisation die von einer Gruppe Ordensfrauen aus verschiedenen Kongregationen gegründet wurde und sich für eine Beendigung des Menschenhandels in Europa einsetzt. Wie Sr. Poole berichtet, könne man seit Beginn des Lockdowns drei Entwicklungen feststellen: RENATE arbeite jetzt zu 70-80% online, und das gelte auch für die Opferberatungsstelle; seit dem Lockdown sei ein massiver Anstieg von Hunger und Unterernährung festzustellen. Am meisten Kopfzerbrechen bereite ihr jedoch die dritte Entwicklung: dass nämlich inzwischen immer mehr Kinder online gingen, was sie zu leichten Opfern sexueller Ausbeutung mache. „Wir müssen die Ketten der Ausbeuter durchbrechen. Wir fordern die Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass unverzüglich entsprechende Gesetze zur Anwendung kommen,“ so ihr Appell.

Hilfe für Freunde in Not

Aber auch im Corona-Krisengebiet Norditalien sind die Ordensfrauen nicht untätig. Sr. Alicia Vacas ist eigentlich als Combonianer-Schwester in Jerusalem tätig. Als sie von der dramatischen Lage in Italien hörte, zögerten sie und ihre Mitschwestern jedoch keinen Moment, ihrer Ordensgemeinschaft in Bergamo unter die Arme zu greifen. Wie Schwester Alicia berichtet, haben sich 45 von insgesamt 60 Schwestern und Pflegern mit dem Virus infiziert. Das Hauptproblem sei der Mangel an Schutzmaterial. Zum Glück habe man mit der Hilfe anderer Ordensgemeinschaften rechnen können. Sogar aus Hongkong habe man ihnen Schutzmaterial geschickt. Als Combonianer-Schwester sei sie es gewohnt, die Tragödien anderer zu teilen, unterstrich Sr. Alicia und würdigte den Einsatz der Combonianer-Schwestern in Missionsgebieten: „Sie tragen die Last ihres Volkes und legen Zeugnis ab für die Liebe, die Gott all seinen Kindern entgegenbringt.“

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung von Sr. Jolanda Kafka, Präsidentin der Union der Generaloberinnen. Sie lobte den Einsatz der 650.000 Schwestern, die an der Basis arbeiten und schwesterliche und mütterliche Fürsorge anbieten. „Das ist es, was Weihe bedeutet: unser Leben hinzugeben und Gott durch unsere Menschlichkeit zu dienen,“ stellte sie heraus.

(vatican news)
 

24 Juni 2020, 12:32