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Markststand in Südafrika Markststand in Südafrika  (AFP or licensors)

EU/Afrika: Bischöfe wollen neue Form von Entwicklungspartnerschaft

Europäische und afrikanische Bischöfe haben einen gemeinsamen Plan für eine gerechte und verantwortungsvolle Partnerschaft zwischen den beiden Kontinenten vorgelegt. Das Papier ruft politisch Verantwortliche in Europa und Afrika zu Solidarität, Streben nach Gemeinwohl, ökologischem Handeln und einer bevorzugten Option für die Armen auf. Ende 2020 soll in Brüssel der sechste gemeinsame Gipfel der Europäischen und der Afrikanischen Union stattfinden.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass Afrika und Europa gemeinsam eine Neubelebung der multilateralen Zusammenarbeit antreiben könnten", heißt es in der Einleitung des bischöflichen Dokumentes, das am Mittwoch verbreitet wurde. Unterzeichnet haben es Kardinal Jean-Claude Hollerich als Präsident der EU-Bischofskommission COMECE und Kardinal Philippe Nakellentuba Ouédraogo als Präsident des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM).

„Die Völker Europas und Afrikas leben in einer vielgestaltigen Interaktion“, sagte Kardinal Ouédraogo in einem Video zur Vorstellung des Papiers. Die Ausbeutung der Ressourcen habe mitunter zu schweren Menschenrechtsverletzungen geführt, begleitet von irreparablen Schäden an der Umwelt. Millionen Afrikaner lebten immer noch im absoluter Armut.

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„Angesichts der Covid 19-Pandemie befürworten wir einen kompletten Schuldenerlass der afrikanischen Länder, was ihnen erlaubt, ihre Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen“, so der Kardinal. „Auch müssen Europa und Afrika im gemeinschaftlichen Austausch eine Politik entwickeln, die das freie Zirkulieren von Personen ermöglicht, den Rassismus bekämpft, den Terrorismus ausrottet und die Menschenrechte ebenso fördert wie eine gute Regierungsführung und Frieden. Es ist zwingend und dringend, dass alle Nationen für eine globale Lösung arbeiten.“

„Gerechtigkeit soll blühen und Frieden in Fülle auf ewig“

Das Dokument trägt den Titel „Gerechtigkeit soll blühen und Frieden in Fülle auf ewig”. Es enthält eine Reihe konkreter Politikvorschläge, die darauf abzielen, die interkontinentalen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu einer gerechten und verantwortungsvollen Partnerschaft umzugestalten, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Im Punkt Partnerschaft für ganzheitliche menschliche Entwicklung fordern die Bischöfe unter anderen, „die Rückgabe veruntreuter Gelder aus Afrika sicherzustellen, die in europäischen Banken deponiert sind, und sie für das Gemeinwohl einzusetzen”. Außerdem sei „das beträchtliche Potenzial junger Menschen und Frauen anzuerkennen, die die treibende Kraft von Erneuerungsprozessen sind”.

Im Punkt Partnerschaft für ganzheitliche Ökologie drängen die Bischöfe darauf, von einer „ausbeuterischen Logik” abzurücken und stattdessen eine „rechtschaffene wirtschaftliche Dynamik zu fördern, die der lokalen Produktion gewidmet ist und eine gerechte Verteilung von Ressourcen und Gewinnen gewährleistet”.

Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Probleme nur global gelöst werden könnten, sagte Kardinal Hollerich zur Vorstellung des gemeinsamen Papiers. „Europa kan nur blühen und in Frieden sein, wenn wir Frieden und Wohlstand mit unseren Nachbarn teilen. Afrika und Madagaskar sind mehr als Nachbarn - für uns Christen sind sie Brüder und Schwestern, und wir wollen mit ihnen teilen.“

(vatican news – gs)

10 Juni 2020, 12:19