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Auch der Südsudan muss Maßnahmen gegen Corona ergreifen Auch der Südsudan muss Maßnahmen gegen Corona ergreifen  (AFP or licensors)

Appell aus dem Südsudan: „Lasst uns nicht alleine“

Der Südsudan kämpft seit Jahren mit ethnischen Konflikten, Naturkatastrophen und politischer Instabilität. Hinzu kommt nun die Gefahr durch das Coronavirus, das auch die jüngste Regierungsbildung vorerst auf Eis gelegt hat. Ein Bischof hat nun die Gläubigen dazu eingeladen, in einer Pfingstnovene für Frieden und Stabilität zu beten.
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Der Südsudan hat in der Weltgemeinschaft mittlerweile traurige Berühmtheit erlangt: in der Tat hat der junge Staat seit seiner Gründung im Jahr 2011 kaum zu Ruhe gefunden, Armut und ethnische Konflikte, die sich bis zu kriegerischen Handlungen und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung ausgeweitet haben, stellen einen Teufelskreis dar, aus dem nur schwerlich auszubrechen ist. Unvergessen ist, wie Papst Franziskus im April 2019 die Führungspersönlichkeiten des Südsudan in den Vatikan eingeladen und dort buchstäblich um Frieden „bekniet“ hatte.

„Wir brauchen Gebet und materielle Hilfe“

Viel Hoffnung war denn auch mit dem jüngsten Friedensdeal zwischen zwei der erbittertsten Rivalen aus zwei miteinander in Konflikt stehenden Ethnien verbunden, die sich im Februar dieses Jahres vorgenommen haben, als Präsident und Vize-Präsident im Sinn des Gemeinwohls zusammenzuarbeiten. Doch der Ausbruch der Corona-Krise hat auch die Regierungsbildung verzögert und somit die Instabilität im Land verschärft. In der Diözese Tombura-Yambio lädt nun Bischof Eduardo Hiiboro Kussala zu einer Pfingstnovene ein, um den Heiligen Geist darum anzurufen, den Friedensprozess zu unterstützen und bei der Bildung einer neuen Regierung hilfreich einzugreifen. Der Appell des Bischofs an die Weltgemeinschaft: „Lasst uns nicht allein. Wir brauchen Gebet und materielle Hilfe!“

„Seit Monaten beten die Gläubigen nicht zusammen und das könnte auch die Spiritualität beeinträchtigen, mit der sie wieder in die Kirche kommen“

„Wir haben Ostern in unseren Häusern verbracht, auf individuelle Weise. Seit Monaten beten die Gläubigen nicht zusammen und das könnte auch die Spiritualität beeinträchtigen, mit der sie wieder in die Kirche kommen,“ erläutert der Bischof den Gedanken, der seiner Initiative zugrunde liegt. „Möge der Heilige Geist uns erleuchten und Kraft geben, um die Herausforderungen, denen wir uns jetzt gegenüber sehen, anzunehmen und anzugehen. Und möge er uns den Weg weisen, Christen in einer Situation zu sein, in der auch unsere Art zu beten auf eine harte Probe gestellt wurde“, so die Hoffnung, die sich mit der Novene verbindet: „Mit dieser Novene bitten wir den Heiligen Geist darum, uns immer einig sein zu lassen, als einzige Kirche, auch wenn wir vorerst in unseren Häusern bleiben müssen.“

„Mit der Novene bitten wir den Heiligen Geist darum, die Leader des Landes und seine Bevölkerung zu erleuchten, damit alle für den Frieden zusammenarbeiten“

Die Corona-Krise hat den Südsudan mittlerweile mit voller Kraft erreicht. Erst vor wenigen Tagen wurde vermeldet, dass auch die Mitgleider der Task Force, die die nötigen Maßnahmen für eine Eindämmung in die Wege leiten sollte, infiziert sind. Prominentestes Mitglied der daraufhin aufgelösten Arbeitsgruppe: Vizepräsident Rieck Machar.

„Wir haben nicht nur das Problem der Pandemie. Corona ist aufgetaucht, als man gerade versuchte, eine neue Regierung zu bilden, die bislang noch nicht komplett ist. Mit der Novene bitten wir den Heiligen Geist darum, die Leader des Landes und seine Bevölkerung zu erleuchten, damit alle für den Frieden zusammenarbeiten.“

Die politische Situation des Landes sei derzeit in der Schwebe, bekräftigt der Kirchenmann. Dies zeige sich auch daran, dass die Regierung nicht ernsthaft genug mit der neuen Gefahr umgegangen sei und zahlreiche Regierungsvertreter selbst infiziert seien – darunter neben dem Vizepräsidenten und seiner Frau auch der Verteidigungsminister und weitere Ressortchefs. In dieser Situation bestehe auch die Sorge vor weiteren Gewaltausbrüchen.

„Die internationale Gemeinschaft ist uns nicht sehr nahe, sie könnte mehr tun“

„Der Kompromiss, den die politischen Parteien erreicht haben, hat bisher keine Früchte getragen, nachdem es immer noch zu Konflikten kommt. Und dann ist da der Mangel an Führung in jedem Teil des Landes, der ebenso neue Konflikte hervorrufen könnte. Die internationale Gemeinschaft ist uns nicht sehr nahe, sie könnte mehr tun,“ zeigt sich der Bischof enttäuscht. Alle Gläubigen und Freunde des Südsudan sollten auch weiterhin für das Land beten, so sein Appell:

„Denn wir haben keinerlei Anleitung dabei, wie wir das Virus besiegen können. Wir verlassen uns vollständig auf den Herrn. In den Dörfern beten wir, aber das langt nicht, es braucht das Gebet aller. Dann brauchen wir auch materielle Unterstützung. Ich weiß sehr wohl, dass Europa und die anderen westlichen Länder damit beschäftigt sind, die eigenen Wunden zu lecken, aber ich bitte darum, auch unsere Bedürfnisse wahrzunehmen. Ich bitte euch, vergesst uns nicht!“

(vatican news - cs)

29 Mai 2020, 10:27