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Jemenitische Binnenflüchtlinge in einem Camp bei Aden Jemenitische Binnenflüchtlinge in einem Camp bei Aden  (AFP or licensors)

Corona in Kriegsgebieten: Oxfam schlägt Alarm

Es war wie mit vielen Papst-Aufrufen: Erst wird Beifall geklatscht. Dann über Bemühungen zur Umsetzung berichtet. Und hinterher wird doch nichts daraus…

Zu einem globalen Waffenstillstand angesichts der Corona-Pandemie hatte Franziskus Ende März aufgerufen – womit er sich einen Appell von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu eigen machte. 59 Länder hatten sich hinter die Initiative gestellt. Und jetzt? Gehen die Kriege in vielen Teilen des Planeten fröhlich weiter, ganz ungeachtet der Pandemie.

Darauf macht ein neuer Bericht der Ngo Oxfam über „Coronavirus in Konfliktgebieten“ aufmerksam. Die Lage sei dramatisch: Weil die Kriege einfach weitergingen, werde es unmöglich, die Pandemie in den entsprechenden Ländern zu stoppen. Betroffen sind nicht weniger als zwei Milliarden Menschen.

Militärausgaben liegen 280-mal höher als Ausgaben gegen Corona

„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, sagt Paolo Pezzati von Oxfam. „Die Militärausgaben liegen 280-mal höher als die Ausgaben für humanitäre Hilfe. Das macht klar, warum es auf internationalem Level so schwierig ist, zu einem Abkommen zur Stillung der wichtigsten Bedürfnisse der Menschen zu finden, die von der Pandemie betroffen sind. Die Welt dreht sich genau in die andere Richtung!“

Zweitausend Milliarden Dollar: Das haben die Staaten in aller Welt letztes Jahr insgesamt in Militär und Rüstung gesteckt. Und was hat die UNO bei ihrem letzten Spendenaufruf für die am meisten von Corona betroffenen Länder eingetrieben? 6,7 Milliarden Dollar. Eine honorige Summe, gewiss – aber eben 280-mal weniger als die genannten Militärausgaben.

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„Eine ziemlich irreale Situation“

„Offenbar haben die Regierenden noch nicht verstanden, dass wir in eine neue Phase eingetreten sind – eine Phase, in der es darum geht, vor allem Grundbedürfnisse zu stillen. Gesundheit, Schule, Nahrung. Und in der es nicht nur einen Waffenstillstand bräuchte, sondern auch einen sofortigen Stopp aller Waffenverkäufe. Dabei wird noch nicht einmal kontrolliert, ob die Staaten, die für den globalen Waffenstillstand eintreten, nicht einfach weiter Waffen an andere Staaten verkaufen! Eine ziemlich irreale Situation ist das.“

Ein Land wie der Jemen sei schon vor dem Auftauchen der Pandemie durch einen jahrelangen Krieg aufs äußerste geschwächt gewesen; überall lebten Binnenflüchtlinge auf engstem Raum zusammen – ein seuchentechnischer Albtraum.

Lage im Jemen ist verzweifelt

„Wir können gegen eine globale Pandemie nicht wirksam vorgehen, wenn in Konfliktgebieten Millionen Menschen in der Falle sitzen! Von 30 Millionen Menschen im Jemen sind mittlerweile 24 Millionen von Nahrungsmittelhilfe abhängig, um zu überleben – mehr als achtzig Prozent. Mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen im Jemen sind durch Luftangriffe zerstört worden. Und dabei ist die Konfliktlage noch komplizierter geworden; es droht die Eröffnung neuer Fronten.“

Eines Tages wird hoffentlich ein Impfstoff gegen Corona zur Verfügung stehen. Dann können alle geimpft werden. Alle? Na ja – ob man in den armen Ländern an den Impfstoff kommen wird, das steht noch in den Sternen.

Das Rennen um den Impfstoff haben die Armen schon verloren

„Das ist ein reelles Risiko, und zwar aus zwei Gründen. Erstens braucht es für den Impfstoff ja eine Struktur, um ihn im Land zu verteilen, und die internationale Gemeinschaft müsste dafür Zugang zum Land bekommen. Und der zweite Punkt ist natürlich der finanzielle: Wird man es den armen Ländern möglich machen, die nötigen Dosen des Impfstoffs zu einem Preis zu kaufen, den sie sich leisten können?“

Papst Franziskus hatte beim Angelus am 29. März zu einem Schweigen der Waffen in aller Welt aufgerufen. Er rufe alle Kämpfenden auf, „kriegerische Handlungen einzustellen“, sagte der Papst bei dem Gebet, das wegen der Corona-Krise ohne Teilnehmer von außen im Vatikan stattfand. Franziskus warb auch für die „Schaffung von humanitären Korridoren und die Öffnung diplomatischer Kanäle“. Es gelte, sich jetzt vor allem um die Menschen zu kümmern, die „besonders gefährdet“ seien.

„Konflikte werden nicht durch Kriege gelöst“

„Möge uns unser gemeinsamer Kampf gegen die Pandemie erkennen lassen, wie notwendig es ist, unsere geschwisterlichen Bande als Mitglieder der einen Menschheitsfamilie zu stärken! Und möge er die Verantwortlichen der Nationen und die anderen beteiligten Parteien zu einem erneuerten Einsatz für die Überwindung der Rivalitäten anregen.“

Konflikte würden „nicht durch Kriege gelöst“, mahnte der Papst. „Gegensätze und Kontraste müssen durch Dialog und die konstruktive Suche nach dem Frieden ausgeräumt werden.“ Im Lauf der Geschichte haben sich Päpste vor allem in Heiligen Jahren um einen weltweiten Waffenstillstand bemüht. Der heilige Papst Johannes Paul II. rief zum Heiligen Jahr 2000 zu einer Einstellung aller Kampfhandlungen auf.

(vatican news – sk)
 

14 Mai 2020, 11:11