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Der Weihbischof für den östlichen Bezirk Roms, Gianpiero Palmieri, überwacht mit der römischen Bürgermeisterin die Desinfizierung einer römischen Kirche Der Weihbischof für den östlichen Bezirk Roms, Gianpiero Palmieri, überwacht mit der römischen Bürgermeisterin die Desinfizierung einer römischen Kirche  (ANSA)

Italien: „Lockdown hat Priester und Gläubige einander näher gebracht“

Ab kommenden Montag können die italienischen Gläubigen wieder an der Heiligen Messe teilnehmen. Diese Nachricht hatte landesweit für Aufatmen gesorgt, doch die Vorsichtsmaßnahmen, die dafür ergriffen werden, sind beachtlich. In Rom desinfizieren soeben Fachleute der italienischen Streitkräfte sämtliche Kirchen. Darum hatte das Bistum gebeten, erzählt der Weihbischof Roms für den östlichen Bezirk, Gianpiero Palmieri, in unserem Interview.

Nein, er befürchte nicht, dass die strengen Normen, die den Zugang zur Eucharistiefeier regeln, die Gläubigen von einem Besuch der Messe abhalten würden, sagt der Weihbischof. Allen sei bewusst, dass dies zum Schutz aller nötig sei. Aber: „Mehr als die Normen könnte vielleicht die Sorge, sich in einer potentiell gefährlichen Umgebung aufzuhalten, viele Menschen abschrecken. Doch mit Sicherheit wird nach und nach, wenn die Epidemie sich abschwächt – das hoffen wir wirklich alle – und die Pfarreien sich an die Anwendung der Normen gewöhnen, die Sorge abnehmen, sodass man zu einer normalen Liturgie zurückkehren kann.“

Die Sehnsucht vieler Familien und Gläubiger, an der Feier der Eucharistie endlich wieder persönlich teilnehmen zu können, sei stark und „greifbar“, so Palmieris klare Wahrnehmung. Auch wenn Rückmeldungen zeigten, dass es Priestern und Seelsorgern gelungen sei, in dieser Zeit des Lockdown auch ganz neue Bande mit ihren Schäfchen zu knüpfen...

Eine ganz neue Nähe

„Aus den 82 Pfarreien meines Sektors Ost, in dem viele einfache Viertel liegen, erreichen mich die Nachrichten, dass die Menschen wirklich die Nähe vieler Priester über die digitalen Plattformen, Katechesen, Telefonate, Streaming der Messen gespürt haben, aber auch mit dem Papst dank der täglichen Messe in der Casa Santa Marta. Viele Priester und gläubige Laien sagen mir, dass sie uns nie so nah gefühlt haben wie in diesen zwei Monaten. Das ist eine enorme Gnade, die viele bereits verändert hat.“

Eine weitere interessante Beobachtung aus dieser Zeit der intensivierten Online-Präsenz der Priester und der Feier der Messen: seien normalerweise etwa zwischen 30 und 80 Gläubige in den Messen dabei gewesen, die wochentags zelebriert werden, schalteten sich online zwischen 100 und 200, teils sogar 300 Menschen dazu, berichtet der Weihbischof: „Das bedeutet wirklich, dass sich eine gewisse Sehnsucht nach Gott und der christlichen Gemeinschaft entwickelt hat. Das ist schon einmal eine Veränderung, die sicherlich ihre Früchte bringen wird. Pfarreien allerdings, die sich abgeschottet haben und nicht den Kontakt mit den Gläubigen gesucht haben, werden meiner Ansicht nach eine ganz andere Situation vorfinden.“

Pfarreien, die sich abgeschottet haben, könnten das Nachsehen haben

Die täglich übertragenen Frühmessen des Heiligen Vaters wiederum seien ein ganz besonderes Geschenk in dieser Zeit gewesen, das auch zu dieser positiven Veränderung beigetragen hätte, zeigt sich Weihbischof Palmieri überzeugt: „Das wird schon aus den Zuschaueranteilen der Übertragungen deutlich. Aber das sagen auch viele Menschen, die den Papst äußerst nahe gespürt haben. Natürlich hat der informelle und unmittelbare Stil, hin und wieder gewürzt durch geistreiche Einwürfe, wie sie der Papst in seinen Predigten für gewöhnlich macht, sehr dabei geholfen. Diese Nähe haben viele Menschen sehr stark empfunden. Wir müssen bedenken, dass die Menschen derzeit nicht so sehr ein aufmunterndes Schulterklopfen brauchen, sondern vielmehr gute und solide Nahrung, das Wort Gottes, Sinnstiftung und Spiritualität. Und das haben viele Menschen erhalten - vom Papst und von den Priestern, die, so nenne ich das mal, dazu bereit waren.“ 

(vatican news - cs)

14 Mai 2020, 12:23