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Generalsekretär Stefano Russo Generalsekretär Stefano Russo  (AFP or licensors)

Italien: Bischöfe wollen weiter mit Regierung verhandeln

Die italienische Bischofskonferenz will mit der Regierung von Giuseppe Conte weiter darüber sprechen, wann und wie öffentliche Gottesdienste wieder möglich sein sollen. Beide Seiten seien interessiert an der Gesundheit und dem Wohl aller, sagte der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Stefano Russo, im Interview.

Russo wies dabei auch den Eindruck zurück, Papst Franziskus habe die fordernde Haltung der Bischofskonferenz beim Thema Wiederaufnahme der Gottesdienste kritisiert. Das Kirchenoberhaupt hatte Anfang der Woche bei der Frühmesse dazu aufgerufen,  „mit Bedacht“ und vor allem „mit Respektierung der Regeln“ der Corona-Pandemie entgegen zu wirken. Das interpretierten viele Kritik gegenüber den Bischöfen Italiens, die die Vorgaben der Regierung in Rom zuvor scharf kritisiert hatten. Russo sprach nun im Interview mit den sozialen Kanälen der Bischofskonferenz von „loyaler Zusammenarbeit“ mit der Regierung.

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„Wir erwarten Antworten. Wir erwarten vor allem Angaben, wann wir wieder Gottesdienste mit dem Volk feiern dürfen. Es ist uns klar, dass man die Rahmenbedingungen so gestalten muss, die uns diese Krise jetzt aufzwingt. Wir wollen die Regierung nicht unter Druck setzen und drängen niemanden auf. Aber wir erwarten eine klare Ansage, damit wir unserer Gemeinschaften eine Antwort geben können, wann sie wieder an einer Heiligen Messe teilnehmen können.“

Man sei jetzt daran, gemeinsam ein Protokoll für die Messfeiern nach dem Corona-Lockdown zu entwerfen, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. „Der Schutz der Gesundheit aller muss unser Hauptanliegen sein“, betonte Russo. Das sei auch das Anliegen des Papstes, der von der „Gabe der Vorsicht“ sprach, hebt der Generalsekretär der Bischofskonferenz hervor:

„Was der Papst hervorhob, war die Sicherung der Gesundheit der Menschen. Das entspricht unserem Anliegen. Das war auch unsere Haltung in diesen 50 vergangenen Tagen des sogenannten Lockdowns. Es war und ist unsere oberste Priorität, die Gesundheit der Menschen zu wahren. Und das ist auch der Geist, in dem wir mit der Regierung verhandeln.“

Kritisiert hatten die Bischöfe, dass Ministerpräsident Giuseppe Conte lediglich den wirtschaftlichen Neustart des Landes plane, während die Religionsfreiheit weiter eingeschränkt bleibe. Die Seuchenschutzvorgaben der Behörden müssten in jedem Fall auch in der Kirche eingehalten werden, erkläte Russo, alles andere wäre „verantwortungslos“.

Lockerungen ab dem 4. Mai

Nach der wochenlangen strikten Ausgangssperre in Italien sind ab kommendem Montag, den 4. Mai, erste Lockerungen geplant. Viele Bürger dürfen wieder zu Arbeit gehen, Besuche bei Verwandten werden gestattet. Erlaubt sind außerdem Beerdigungsfeiern mit bis zu 15 nahen Angehörigen unter strengen Seuchenschutzvorkehrungen. Die Anwesenden müssen Schutzkleidung tragen, auf Abstand gehen und sich an Ort und Stelle einer Temperaturmessung unterziehen. Wer mehr als 37,5 Grad Körpertemperatur hat, kann nicht an der Feier teilnehmen.

Am Freitagabend fand auf Einladung der Bischöfe eine landesweite Gebetsaktion gegen die Pandemie statt. Als „Zeichen der Erlösung und Hoffnung“ wurde Italien dem Schutz der Muttergottes anvertraut. Das Gebet fand um 21 Uhr in der Wallfahrtsbasilika Santa Maria del Fonte bei Caravaggio statt. Der Ort liegt in der Provinz Bergamo, die besonders schwer vom Coronavirus betroffen ist.

(kna/cei - mg)

02 Mai 2020, 09:48