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Indigene in Amazonien Indigene in Amazonien 

Corona in Brasilien: Amazonas-Bischöfe fordern mehr Schutz für Indigene

Die Bischöfe der brasilianischen Amazonasregionen sorgen sich wegen des ungebremsten Vordringens des Coronavirus in ihren Gebieten. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten sie am Montag, die offiziellen Corona-Statistiken entsprächen nicht der Realität, der Staat habe den indigenen Völkern in der Pandemie mehr Aufmerksamkeit zu widmen und etwa Einreiseverbote in alle Indigenengebiete zu erteilen.

Viele Menschen mit offensichtlichen Krankheitssymptomen würden zu Hause ohne medizinische Hilfe sterben. Ein besonderes hohes Risiko trügen Indigene und Afro-Brasilianer in Amazonien. „Die Zahlen sind alarmierend", betonen die Bischöfe und erinnern daran, dass „die Region den niedrigsten Prozentsatz an Krankenhäusern im Land hat". Der Zusammenbruch der Gesundheitssysteme in Großstädten wie Manaus und Belém habe bereits eingesetzt, heißt es in dem Schreiben, das die Unterschrift von 65 Bischöfen und zwei Apostolischen Administratoren aus sechs Regionen der Brasilianischen Bischofskonferenz trägt.

Neben den Gemeinden in der Waldregion seien auch Menschen in den Vororten der Städte der Pandemie in besonderem Maß ausgesetzt, da ihre schon vorher prekären Lebensbedingungen sich nun durch den Mangel an sanitärer Grundversorgung, Essen, Arbeit und Wohnraum weiter verschlechterten. „Es sind Migranten, Flüchtlinge, indigene Einwohner der Sätdte, Industriearbeiter, Hausangestellte, Menschen, die in informellen Sektoren beschäftigt sind und um Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit bitten”, so die Bischöfe. Der Staat stehe in der Pflicht, die in der brasilianischen Verfassung verankerten Rechte auch dieser Menschen zu gewährleisten, stellen die Bischöfe klar.

In Zukunft noch schlimmere Pandemien denkbar

Auch der Blick in die Zukunft stimmt die Oberhirten Amazoniens nicht optimistisch. Der Raubbau habe den Regenwald in den vergangenen Jahren in einem Maß ruiniert, das weitere Seuchen und Notfälle vorhersehbar mache. „Da der Amazonas zunehmend zerstört ist, wird es weitere Pandemien geben, die schlimmer sind als die, die wir derzeit erleben”, prognostizieren die Bischöfe.

Als Abschluss ihrer Erklärung erheben die Kirchenvertreter eine Reihe von Forderungen an den Staat. Dieser müsse das Gesundheitswesen stärken und Einreiseverbote in alle indigenen Gebiete verhängen. Auch Corona-Tests und Isolierungsmaßnahmen für Indigene zu deren Schutz sind nach Ansicht der Bischöfe anzudenken. Politiker sollten auf Stellungnahmen verzichten, in denen sie die Effizienz wissenschaftlich empfohlener Maßnahmen anzweifeln. Außerdem sehen die Kirchenvertreter den Staat in der Pflicht, Entwaldung und Landgewinnung besser zu kontrollieren und Indigenenvertreter in politische Beratungen einzubinden.

(fides – gs)



05 Mai 2020, 16:13