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Coronavirus und die Indigenen in Brasilien Coronavirus und die Indigenen in Brasilien 

Brasilien: Gericht gegen Ernennung von Missionar zum Funai-Leiter

Ein Bundesgericht in Brasilien hat am Donnerstag die Ernennung des evangelikalen Missionars und Anthropologen Ricardo Lopes Dias zum Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker bei der Indigenenbehörde Funai aufgehoben. Das berichteten örtliche Medien am Donnerstagabend (Ortszeit). Die Ernennung von Lopes Dias durch Präsident Jair Messias Bolsonaro zu Beginn des Jahres hatte zu Protesten von Indigenenorganisationen geführt. Lopes Dias war zuvor aktives Mitglied der New Tribes Mission (NTM) gewesen, einer evangelikalen Missionsbewegung mit Fokus auf isoliert lebende Völkern.

Entscheidend für die Rücknahme der Nominierung waren Berichte der Univaja, einer Organisation der in dem Schutzgebiet Vale do Javari, an der Grenze zu Peru, lebenden Indigenenvölker. Univaja hatte über illegale Übertritte von Missionaren der NTM auf das indigene Territorium berichtet. Lopes Dias hatte selbst über Jahre in der Region gearbeitet.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein Interessenkonflikt vorliegt. Die Ernennung von Lopes Dias habe „ein großes Risiko für die Vorgaben des Nicht-Kontakts mit diesen Völkern dargestellt“. Die Entscheidung der Völker, sich von der Außenwelt zu isolieren, sei zu respektieren.

Kritik innerhalb der Funai

Die Ernennung des Missionars hatte auch innerhalb der Funai für Kritik gesorgt. Die Behörde hatte für die Ernennung eigens ihr Reglement geändert. Ursprünglich durften nur Beamte aus der inneren Organisation der Funai für den Posten ernannt werden, und nicht Quereinsteiger wie Lopes Dias.

Die Menschenrechtsorganisation Survival International (SI) nannte die Justizentscheidung in einer Stellungnahme einen „schweren Schlag“ gegen die Politik von Präsident Bolsonaro. „Dies ist ein großer Sieg für die Verteidigung des Landes der unkontaktierten Völker“, so Sarah Shenker, Leiterin der SI-Kampagne für unkontaktierte Völker. „Die Ernennung von Lopes Dias war praktisch eine Kriegserklärung gegen ihr Recht auf den Schutz ihrer Territorien und das Recht, unkontaktiert zu bleiben, wenn sie das wollen.“

NTM wurde 1942 in Florida gegründet. In Deutschland ist die Organisation, die weltweit über rund 3.000 Missionare verfügen soll, als „Ethnos360“ aktiv. Ihre Arbeit ist auf bisher unkontaktierte Völker ausgerichtet, denen das Christentum nahe gebracht werden soll. In der Vergangenheit wurde NTM-Missionaren mehrfach vorgeworfen, den Tod von Indigenen verschuldet zu haben.

(kna - mg)

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23. Mai 2020, 16:21