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Ob sich das Manifest auch auf Brasiliens Umgang mit der Pandemie bezieht? Präsident Bolsonaro steht jedenfalls derzeit auch deshalb in der Kritik Ob sich das Manifest auch auf Brasiliens Umgang mit der Pandemie bezieht? Präsident Bolsonaro steht jedenfalls derzeit auch deshalb in der Kritik  (AFP or licensors)

Corona in Lateinamerika: Forderung nach neuem Sozialpakt

In einem Manifest zur Corona-Krise haben sich katholische Politiker in Lateinamerika gegen Nationalismus gewandt und zu mehr Kooperation in der gesamten Region aufgerufen. Die Maßnahmen sollten sich am Gemeinwohl, der Menschenwürde und Solidarität orientieren.

Angesichts der Corona-Krise seien „gemeinsame Lösungen und Initiativen“ erforderlich, heißt es in dem Dokument, das von dem katholischen Verband „Academia de Líderes católicos“ veröffentlicht wurde. Die ursprünglich in Chile gegründete Initiative ist heute in vielen Ländern Lateinamerikas präsent und vereint katholische Politiker und Verantwortungsträger verschiedener Parteien. Papst Franziskus hatte sich im Dezember 2017 in einer Video-Botschaft an sie gewandt.

„Wenn wir den Weg eines verschärften Nationalismus wählen, sind wir dazu verurteilt, in Chaos, Populismus und Autoritarismus innerhalb unserer Länder abzugleiten“

„Diese Krise ist auch eine Zeit der Entscheidung. Entweder sterben wir allein als Nationen, oder alle Nationen kommen gemeinsam aus der Krise wieder heraus, als Mitglieder desselben großen Heimatlandes: Lateinamerika. Wenn wir den Weg eines verschärften Nationalismus wählen, sind wir dazu verurteilt, in Chaos, Populismus und Autoritarismus innerhalb unserer Länder abzugleiten“, warnen die Autoren.

Geschlossenheit statt Grabenkämpfe

Der Katholikenverband redet Politikern in Lateinamerika ins Gewissen. Statt politischen Grabenkämpfen sei jetzt Geschlossenheit bei Bewältigung der Krise notwendig: „Die wirkliche Trennlinie verläuft nicht zwischen links oder rechts, Konservativen oder Progressiven. Die wahre Trennlinie verläuft zwischen denen, die bereit sind, ihre Mitbürger für persönliche, Gruppen- oder Parteiprogramme zu opfern, und denen, die verstanden haben, dass die dramatische Stunde unserer Generation uns vereinen muss, um die Interessen unseres Volkes an die erste Stelle zu setzen.“

Neuer Sozialpakt

Das Manifest plädiert für einen „neuen Sozialpakt, der auf Solidarität und Brüderlichkeit beruht“ sowie eine stärkere „lateinamerikanische Integration“. Die Staatenführer müssten sich jetzt „um ein koordiniertes und abgestimmtes Vorgehen bemühen“. Dies könne in Form von „multilaterale Gremien“ umgesetzt werden, die Verantwortung und Führung übernehmen. Die Kirchen sollten in diesem Kontext „Sprecher und in ihrem Maße auch Umsetzer dieser Maßnahmen“ sein, heißt es weiter.

Recht auf Information

Mit Blick auf wirtschaftliche Folgen der Krise schlagen die Autoren des „Manifiesto de católicos latinoamericanos con responsabilidades políticas“ zum Beispiel eine Umstrukturierung des gemeinsamen Binnenmarktes Südamerikas „Mercosur“ und Schuldenerlasse vor. Auch rufen sie zu angemessener Aufklärung über die Corona-Krise auf. Die Bevölkerung habe das Recht auf nüchterne und transparente Berichterstattung, um sich schützen zu können.

(pm/vatican news – pr)

14 April 2020, 15:59