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Dalla Torre hatte das Amt als 80. Großmeister im Mai 2018 übernommen. Dalla Torre hatte das Amt als 80. Großmeister im Mai 2018 übernommen.  (© Remo Casilli)

Malteser: Großmeister verstorben

Der Großmeister des Malteserordens, Fra' Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, ist tot. Er verstarb kurz nach Mitternacht in einem römischen Krankenhaus, wie die Zentrale der Malteser in Rom am Mittwochmorgen mit „großen Schmerz“ mitteilte.

Der 75-Jährige sei infolge einer unheilbaren Krankheit gestorben, die vor wenigen Monaten diagnostiziert worden sei, so die Malteser in der Presseerklärung. Dalla Torres Verfassung hatte sich am Dienstag verschlechtert.

Wie der Orden weiter bekannt gab, fungiert der Großkommandant der Malteser, Fra’ Ruy Gonçalo do Valle Peixoto de Villas Boas, bis zur Wahl eines neuen Großmeisters als Statthalter des Großmeisters. Sein Amt als Großkommandant bleibe davon unberührt.

Beileidsbekundungen aus aller Welt

Zahlreiche Staats- und Regierungschefs, darunter auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, haben bereits zum Tod des Großmeisters kondoliert. „Als 80. Großmeister des Malteserordens hat sich Fra Giacomo seit 2018 mit großem Einsatz der Reform Ihrer Gemeinschaft gewidmet. Es war seine Überzeugung, dass die christliche Identität ebenso wie die Souveränität des Ordens und seine internationale Hilfstätigkeit nach einem Regelwerk verlangen, das den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht", so Steinmeier in seinem Schreiben vom Mittwoch an den Großkanzler des Malteserordens, Albrecht Freiherr von Boeselager.

Große Spiritualität und menschliche Wärme

Die Malteser würdigten Fra' Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto als „Mann von großer Spiritualität und menschlicher Wärme“. Er habe sich stets auch persönlich für Bedürftige eingesetzt, etwa durch Essensausgaben an Obdachlose an den römischen Bahnhöfen Termini und Tiburtina.

Dalla Torre übernahm das Amt als 80. Großmeister im Mai 2018 nach einer schweren Leitungskrise. Zuvor führte er die Amtsgeschäfte übergangsweise seit April 2017 in der Rolle eines Statthalters. Der frühere Großmeister Matthew Festing war Anfang 2017 nach Turbulenzen um den kirchlichen Kurs der Einrichtung auf Druck von Papst Franziskus zurückgetreten.

Interne Reformen

Seit seiner Wahl widmete sich Dalla Torre besonders internen Reformen. Zu den Anliegen zählen eine flachere Hierarchie und mehr Beteiligung von Frauen. Zudem bannte Dalla Torre Messen des alten lateinischen Ritus aus offiziellen Ordensfeiern. Dem Vernehmen nach hatten sich an der liturgischen Form Diskussionen um die Ausrichtung des Ordens entzündet.

Der am 9. Dezember 1944 in Rom geborene Dalla Torre wurde 1985 Mitglied des Malteserordens und mit Ablegung der ewigen Gelübde 1993 Professritter. Im Zivilberuf Professor für Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom, bekleidete er seit 1994 verschiedene Leitungsaufgaben im Orden. Nach dem Tod von Großmeister Andrew Bertie im Februar 2008 amtierte er kurzzeitig bis zur Wahl von Matthew Festing als Statthalter.

Begegnung mit Papst Franziskus

Bei einem Treffen im Vatikan vergangenenJuni erörterten Papst Franziskus und Dalla Torre die Krise in Venezuela, die Hilfen für die kolumbianische Bevölkerung und die Lage im Nahen Osten. Ferner ging es nach Ordensangaben um aktuelle humanitäre und diplomatische Ziele der Malteser und die Erneuerung des Ordens.

Der Malteserorden steht in der Tradition des „Ritterordens vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem“, des im 11. Jahrhundert gegründeten weltweit ersten christlichen Krankenpflegeordens. Nach der Reformation spaltete sich die Gemeinschaft auf in die katholischen Malteser und die evangelischen Johanniter.

Hervorragend vernetzt

Als katholischer Orden ist der Souveräne Malteserorden dem Heiligen Stuhl unterstellt. Gleichzeitig ist er politisch ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Dieser Status verschafft ihm einzigartige Zugänge auf politischer und diplomatischer Ebene und soll besondere Unabhängigkeit in Konflikten ermöglichen. Derzeit unterhält der Orden diplomatische Beziehungen zu mehr als 100 Staaten; darunter zu Österreich und seit Ende 2017 auch zu Deutschland, nicht aber mit der Schweiz.

Die Malteser haben nach eigenen Angaben 13.500 männliche und weibliche Ordensmitglieder sowie rund 120.000 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter. Sie sind weltweit in der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe sowie im Gesundheitssektor aktiv. In Österreich sind unter dem Namen „Malteser“ mehrere Malteser-Hilfswerke zusammengefasst, die vom Souveränen Malteser-Ritter-Orden gegründet wurden und dem Großpriorat von Österreich unterstehen. Aktuell zählt der Orden in Österreich mehr als 2.200 ehrenamtliche Mitglieder.


(pm/kna – pr)
 

29 April 2020, 08:18