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Auch in Afrin (Provinz Aleppo) werden die Schulen gegen das Coronavirus desinfiziert Auch in Afrin (Provinz Aleppo) werden die Schulen gegen das Coronavirus desinfiziert  (AFP or licensors)

Syrien: Schulen und Krankenhäuser müssen geschützt werden

Genau neun Jahre nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien scheint die Situation insbesondere für Kinder schlimmer als je zuvor. Insgesamt 217 Schulen sind allein in den vergangenen drei Monaten bombardiert worden, 30 Kinder wurden dabei getötet, beklagt die Kinderschutzorganisation Save the Children.

Besonders perfide: insgesamt hätten sich seit Anfang des Jahres die Angriffe auf Schulgebäude während der Unterrichtsstunden intensiviert, so dass mehr Kinder ums Leben gekommen seien als in den Vormonaten.

Vor allem die heftigen Kämpfe in der Region Idlib schlagen dabei zu Buche. Mehr als die Hälfte der Schulen (570 von 1.062) dort sei mittlerweile beschädigt worden, allein 217 davon in den ersten drei Monaten dieses Jahres. 74 der noch intakten Schulgebäude würden derzeit als Flüchtlingsunterkünfte benötigt, was zur Folge hat, dass jede der noch funktionierenden Klassen insgesamt 240 Kinder aufnehmen müsste, um Unterricht für alle Kinder zu garantieren.

„Kinder und Zivilisten müssen geschützt werden“

Angesichts der zunehmenden Angriffe auf Schulen während der Unterrichtszeiten hätten die Eltern darum gebeten, den Unterricht in Kellergewölben, Grotten oder mobilen Strukturen abzuhalten, berichtet Save the Children. Die Hilfsorganisation lädt alle Konfliktparteien dazu ein, „zu garantieren, dass Kinder und Zivilisten, gemeinsam mit den Schulen und Krankenhäusern, nicht zu Zielen werden und geschützt werden.“

Einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind seit 2016 494 Agriffe auf Krankenhäuser und Kliniken in ganz Syrien zu verzeichnen, denen 470 Ärzte und Patienten zum Opfer gefallen sind, während 968 verletzt wurden. Der Konflikt macht auch vor Infrastrukturen und Privathäusern nicht Halt, was die Flucht von Millionen Menschen zur Folge hat – mit absehbaren humanitären Folgen. Auch der Nuntius in Syrien, Kardinal Mario Zenari, wird seit Jahren nicht müde, vor einer „humanitären Katastrophe“ zu warnen.

„Ich dachte, dass der Frieden an unsere Türen klopft“

Unterdessen sinkt auch die Moral der Bevölkerung weiter. Wie der Maristenpater Georges Sabe gegenüber Asianews berichtet, habe die „vollständige Befreiung Aleppos“ vor einem Monat zunächst „frischen Wind der Hoffnung“ für die Bevölkerung gebracht. „Ich dachte, dass der Frieden an unsere Türen klopft“, so der Pater, der einer Gruppe von freiwilligen, durch die Maristen organisierten Helfern in Aleppo angehört.

Doch angesichts der fortdauernden Kämpfe formuliert er die bittere Erkenntnis, dass diese frische Brise „von einer erdrückenden Verzweiflung“ abgelöst worden sei. In der vergangenen Woche äußerte er sich aus Aleppo im 38. Brief der „Blauen Maristen“, in dem er betont, dass „wir in wenigen Tagen wieder einmal des schrecklichen 15. März 2015 gedenken, an dem alles angefangen hat. Der Krieg ist nicht vorbei.“ Als der Aufstand gegen das Regime von Baschir al-Assad begann, haben sich die Kämpfe unter internationaler Beteiligung schnell zu einem flächendeckenden Krieg entwickelt. Fast 400.000 Menschen sind der Gewalt bislang zum Opfer gefallen, Dutzende Städte und Dörfer des Landes wurden teils komplett zerstört, Millionen - etwa die Hälfte der Bevölkerung - sind auf der Flucht.

(sir/asianews - cs)

17 März 2020, 12:16