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Syrien: Das Virus gedeiht bestens in Krieg und Vertreibung

Die ganze Welt steckt in der Corona-Krise. Doch besonders hart könnten bald Länder wie Syrien getroffen werden. Denn für die Virus-Verbreitung gibt es keine besseren Bedingungen als Krieg und Vertreibung, sagt Oliver Müller von Caritas International.

Im Interview mit dem Kölner Domradio erklärte der kirchliche Syrienfachmann, noch seien die Fallzahlen gering, doch das liege hauptsächlich an den fehlenden Testmöglichkeiten. Leider sei eine rasante, noch versteckte Ausbreitung des Virus zu vermuten. Der Krieg habe in den neun Jahren, die er jetzt währt, „ungefähr die Hälfte des Gesundheitssystems beschädigt oder zerstört. Das heißt, es fehlt an Krankenhäusern - die Bilder kennen wir alle aus dem Fernsehen -, und das wird sich in so einer Situation bitter rächen.“

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Syrien habe mehr als sechs Millionen Binnenvertriebene, erinnerte der Caritas-Beauftragte. „Das sind Menschen, die zum Teil unter extrem prekären Verhältnissen untergebracht sind - fast kein Strom, kein Wasser, 50 Personen müssen sich einen Wasserhahn teilen. Da kann man nicht von Hygienemaßnahmen sprechen.” Die andere Problematik sei das Fehlen und die schlechte Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen. Besonders prekär sei die Lage in den syrischen Kriegsgebieten wie Idlib, wo nach Müllers Angaben allein in den letzten Wochen und Monaten über 350.000 Menschen neu in die Flucht getrieben wurden. „Dort haben Hilfsorganisationen fast keinen Zugang. Da kann man nur mutmaßen, was das für die Ausbreitung des Virus bedeutet.”

„Dort haben Hilfsorganisationen fast keinen Zugang. Da kann man nur mutmaßen, was das für die Ausbreitung des Virus bedeutet“

Der Syrien-Fachmann der Caritas rechnet für das Schicksal der Menschen in dem Land mit dem Schlimsmten. „Man muss sagen, dass es keine besseren Bedingungen für die Verbreitung des Virus gibt als Krieg und Vertreibung: Weil es keinerlei Gesundheitsversorgung gibt, weil Menschen auf der Flucht sind, weil es zu unkontrollierten Bewegungen kommt und weil Menschen, die mit dem unmittelbaren Überleben befasst sind, überhaupt nicht in der Lage sind, sich jetzt vor dem Virus zu schützen.”

Syriens Regierung unter Machthaber Assad habe bereits eine Ausgangssperre von 18 bis sechs Uhr verhängt und Märkte geschlossen. „Aber es gibt natürlich bedeutende wirtschaftliche Probleme”, so der Experte. „Schon jetzt merkt man, dass die Inflation zugenommen hat, das heißt, die Preise steigen. Und die Menschen in Syrien haben wenige Ressourcen, sie haben praktisch nichts Erspartes mehr. Es ist nicht zu erkennen, dass die Regierung dem jetzt wirklich entgegensteuert. So wird sich die ohnehin sehr heikle Lebenssituation vieler Menschen noch weiter verschlechtern.”

Hilfe im Kleinen möglich

Die Caritas halte in dieser Lage ihre Projekte im Rahmen des Menschenmöglichen aufrecht, erklärt Müller. „Das ist gar nicht so leicht, weil zum Beispiel in Aleppo Sozialzentren auf Anordnung der Regierung geschlossen wurden. Die Caritas in Syrien steht aber mit vielen Bedürftigen in Kontakt.” Die Nothilfe sei in diesem Rahmen möglich, und er sei optimistisch, dass es gelingen werde, sie aufrecht zu erhalten, so Müller.

Zugleich verweist der Caritas-Mann auf eine weitere Herausforderung: „Wir müssen versuchen, dass es in den Einrichtungen, die noch arbeiten, nicht auch zu Ansteckungen kommt, dass wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen. Und schließlich wollen wir unseren Beitrag zur Prävention leisten. Das geschieht momentan mit Hochdruck in Syrien, aber auch in vielen anderen Ländern, in denen Caritas International tätig ist. Und das hat mit der Bereitstellung von Schutzkleidung zu tun, auch mit Aufklärung, vor allem aber mit der Versorgung derer, die besonders betroffen sind und Hilfe von außen benötigen.”

(domradio/vatican news - gs)

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31. März 2020, 11:25