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Radio-Akademie (2): Abenteuer orthodoxes Christentum

Warum hat es in der orthodoxen Kirche nie eine Art Reformation gegeben? Das ist eine der Fragen, auf die uns Erzpriester Radu Constantin Miron aus Köln in der Radio-Akademie antwortet.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Die Liturgie-Reformen, die wir hatten, haben üblicherweise dazu geführt, dass die Liturgie noch ein Stück länger geworden ist, statt sie zu verkürzen“, sagt Vater Constantin. „Eine Reformation hat in diesem Sinn in der Tat nicht stattgefunden.“

Einige bedauerten das – doch ein Blick in die Geschichte lehre, dass alle orthodoxen Kirchen „dunkle Jahrhunderte durchgemacht“ hätten. Der Erzpriester verweist auf Osmanen-Herrschaft und Kommunismus. „Und vielleicht war es ja gerade diese Treue zu einer Liturgie und einer Tradition, die ein Überleben des Christentums auch im Osten möglich gemacht haben!“

Hier können Sie einen Ausschnitt aus unserem Interview mit Erzpriester Radu Constantin Miron hören.

Radu Constantin Miron ist der erste orthodoxe Geistliche an der Spitze der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland“ (ACK). Auf die Staatsnähe vieler orthodoxer Würdenträger angesprochen, weist er auf „nicht-theologische Faktoren“ hin: Kirche manifestiere sich eben immer in einer bestimmten Zeit, einem bestimmten historischen Kontext.

Einst im Gulag, heute Arm im Arm mit dem Staat?

„Die Staatsnähe der heutigen orthodoxen Kirche in Russland schließt sich an eine Staatsnähe unter den Zaren an.“ In Byzanz habe man das Wort von der Symphonie von Staat und Kirche geprägt: Der Zusammenklang der unterschiedlichen Instrumente mache die Musik.

„Dass, nachdem die Kirche im Untergrund war – in der Gefangenschaft, im Gulag, im Lager –, es natürlich eine Versuchung ist, zu sagen: ‚Jetzt haben wir einen starken Staat an unserer Seite!‘, und der Staat wiederum sagt: ‚Wir können die Kirche sehr gut für unsere Zwecke einspannen‘ – das ist eine historische Entwicklung, die überraschend kommt.“

Er habe unlängst in Moskau gesehen, wie die Wagenkolonne des russisch-orthodoxen Patriarchen an ihm vorbeirauschte, erzählt Vater Constantin. „Da würde ein deutscher Bischof wahrscheinlich sagen: ‚Lieber fahre ich mit der Straßenbahn, als so durch die Stadt zu fahren…‘ Hier (in Russland hingegen) ist es ein Stück wiedergewonnene Präsenz in der Öffentlichkeit. Dass unsereins, der hier in Deutschland in einem ganz anderen gesellschaftlichen Kontext lebt, das skeptisch beäugt, versteht sich von selbst.“

Bestellen Sie unsere CD!

Radio Vatikan strahlt die Radio-Akademie mit Erzpriester Radu Constantin Miron jeden Sonntag im März in der jeweiligen Abendsendung aus. An diesem Sonntag ist der zweite Teil dran. Wenn Sie sich dafür interessieren, bieten wir Ihnen eine CD der ganzen Radio-Akademie an. Sie können Sie gegen einen Unkostenbeitrag oder eine Spende bei cd@vaticannews.de bestellen.

(vatican news)

02 März 2020, 12:58