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Fragile Einheit: Die Rivalen Riek Machar, neuer Vizepräsident, und Salva Kiir, Präsident des Südsudsan, bilden eine Einheitsregierung Fragile Einheit: Die Rivalen Riek Machar, neuer Vizepräsident, und Salva Kiir, Präsident des Südsudsan, bilden eine Einheitsregierung  (AFP or licensors)

Südsudan: „Ich sehe keinen Weg, der friedlich enden könnte“

Nach der Bildung einer Einheitsregierung im Südsudan hoffen die Menschen dort erneut auf Frieden. Dieser wäre ihnen mehr als zu wünschen, denn der Alltag in dem erdölreichen Land wird von Gewalt und Angst bestimmt. Das hat auch der Ordensbruder Bernhard erfahren müssen. Zweimal wurde er fast totgeprügelt, weil er Menschen im Südsudan hilft.

Der Comboni-Missionar Bruder Bernhard Hengl arbeitet in Südsudan für einen Partner des Kindermissionswerks ,Die Sternsinger’. Im Interview mit dem Kindermissionswerk berichtet er von den Problemen der Menschen im Südsudan und der Motiviation für seinen persönlichen Einsatz vor Ort.

„Es bleibt eine tägliche Spannung. Aber wenn man dann die Menschen anschaut, zum Beispiel eine alte Oma von 70, 75 Jahren, ihre Söhne sind ermordet worden, einige deren Kinder haben überlebt und sie soll sich drum kümmern, hat aber weder ein Dach über dem Kopf, noch hat sie irgendwas, was sie den Kindern am Morgen, am Mittag oder am Abend vorsetzen kann. Und wenn man diese Menschen persönlich kennt, mit ihnen in Verbindung steht, und ihr Leid und ihre Augen sieht, dann bekommt man die Kraft zu helfen und weiterzumachen.“

Zum Nachhören

Tägliche Spannungen und Gewalt

Die Lage im Südsudan ist in vielfacher Hinsicht schwierig: korrupte Gremien und Behörden, immer wieder Gewalt gegen Zivilisten, eine katastrophale Versorgungslage und eine schlechte bis fehlende medizinische Infrastruktur bestimmen das Bild. Demonstrationen gegen diese Zustände würden im Keim erstickt, hat Bruder Bernhard beobachtet:

„Vor ein paar Monaten gab es Jugendliche, die das organisiert hatten, aber dann war auf einmal so viel Sicherheit da, an jeder Straßenecke standen auf einmal Soldaten, wo die hergekommen sind, weiß niemand. Es standen Panzer an verschiedenen Orten in der Stadt. Und denen wurde klar gesagt: Wenn sich einer nur sehen lässt auf der Straße, wird er erschossen.“ 

Die Menschen hätten überhaupt keine Chance, ihren Unmut öffentlich zu äußern. Ein weiteres Problem sieht Bernhard bei der Kirche. „Es gibt Uneinigkeiten unter den Bischöfen. Ein Land wie der Südsudan braucht eine starke Bischofskonferenz und eine starke Einheit der Kirche – beides ist nicht gegeben.“

Er selbst erhielt Morddrohungen

Bruder Bernhard selbst hat Morddrohungen erhalten und wurde Opfer zweier Übergriffe. Trotzdem lässt er sich von seiner Mission nicht abbringen. Im Südsudan ist er verantwortlich für  den Bau von Gebäuden und bringt Lebensmittel und Medikamente zu den Menschen, vor allem in schwer erreichbare Busch- und Sumpfgebiete, zu denen nur wenige Hilfsorganisationen vordringen. Offenbar ist sein Einsatz bestimmten Gruppen im Südsudsan ein Dorn im Auge.

„Es gab Morddrohungen, und die haben mich ja zweimal zusammengeschlagen, beide Male haben sie gedacht, dass mein Leben zu Ende ist. Ich konnte trotzdem weitermachen mit meiner Arbeit. Einmal bin ich nach einem Jahr nach Deutschland und habe mich dann operieren lassen, weil einiges verletzt war. Und ich habe gedacht, das heilt von alleine, aber es ist nicht richtig verheilt. Ich habe dann fünf Operationen gebraucht und bin dann wieder zurückgegangen.“ 

Schwierige Perspektive

Auf die Frage, welche Perpektive er für den Südsudan sieht, antwortet der Missionar, ohne die aktuell politisch Verantwortlichen beim Namen zu nennen:

„Die Frage ist kaum zu beantworten. Ich selber bin wirklich kein Pessimist, ganz im Gegenteil. Aber ich sehe keinen Weg der friedlich ausgehen könnte. Ich wünschte mir und bete dafür, dass irgendwo irgendjemand aufstehen kann, der Führungsqualitäten hat, so wie damals in Südafrika. Aber wir hatten gute Leute und ich glaube, die sind heute nicht mehr am Leben.“

Hilfen des Kindermissionswerkes

Das Kindermissionswerk ,Die Sternsinger’ unterstützt aktuell 18 Projekte im Südsudan, vorwiegend im Bereich Bildung und Gesundheit. Zudem stellt das Hilfswerk der Sternsinger immer wieder Geld für Nothilfen bereit. Millionen Menschen leiden in dem ostafrikanischen Land unter den Folgen des Bürgerkrieges, Hunger und Naturkatastrophen.

Der Südsudan ist das jüngste Land der Welt und hat im Sommer 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erklärt. Zwei Jahre später, im Dezember 2013, begann in dem Land ein Bürgerkrieg. Ein im September 2018 unterzeichnetes Friedensabkommen hatte zu einer Abschwächung der Kämpfe geführt, allerdings waren an der Vereinbarung nicht alle südsudanesischen Rebellen beteiligt gewesen. Mit dem Mitte Januar dieses Jahres geschlossenen Abkommen hat sich erstmals die Regierung mit allen Oppositionsgruppen auf eine Waffenruhe verständigt. Eine neue Einheitsregierung soll nun für Stabilität sorgen. 

Dieser Beitrag wurde mit Info- und Audiomaterial vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ erstellt.

(die sternsinger – pr)

 

27 Februar 2020, 11:48