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Afrikamissionar: „Neue Phase“ der Missbrauchsbekämpfung

In der katholischen Kirche hat eine „neue Phase“ in der Missbrauchsbekämpfung begonnen. Das beobachtet der französische Afrikamissionar und Psychotherapeut Stéphane Joulain. Ein Jahr nach der großen Kinderschutzkonferenz im Vatikan erzählt der Missbrauchsexperte im Interview mit Radio Vatikan, dass in der afrikanischen Ortskirche ein größeres Bewusstsein für das Verbrechen des Kindesmissbrauchs entsteht.

Anne Preckel / Olivier Bonnel – Vatikanstadt

Joulain gehört zur Gesellschaft der Missionare von Afrika (MAfr), auch bekannt unter dem Namen „Weiße Väter“. Als Partner des Zentrums für Kinderschutz der päpstlichen Universität Gregoriana (CCP) führt er bereits seit einigen Jahren in Afrika Weiterbildungen zur Missbrauchsprävention durch und hat sich als ausgebildeter Psychotherapeut mit den Folgen sexuellen Missbrauchs für Kinder befasst.

Neue Phase der Missbrauchsbekämpfung

Vir einem Jahr fand im Vatikan ein internationaler Kinderschutzgipfel statt, zu dem Kirchenvertreter der ganzen Welt anreisten. Nach dieser Konferenz hätten afrikanische Ortskirchen vertsärkt Maßnahmen für den Kinderschutz ergriffen, berichtet Joulain im Interview mit Radio Vatikan.

Zum Nachhören

„Wir sind jetzt in einer neuen Phase, in der wir sehen können, dass Bischofskonferenzen und Diözesen Maßnahmen ergreifen. Sie öffnen Büros, wo Beschwerden eingehen können, sie ernennen entsprechende Missbrauchsbeauftragte, sie senden Leute zu verschiedenen Fortbildungen. Die Zeit zum Handeln ist gekommen, aber wir haben damit gerade erst angefangen“, so der Missionar, unter anderem mit Blick auf den afrikanischen Kontinent.

Beispiele: Elfenbeinküste und Kenia

Joulain nennt allerdings zwei afrikanische Länder, in denen mit Missbrauchsprävention bereits begonnen worden sei: Elfenbeinküste und Kenia.

„Wenn man sich Elfenbeinküste ansieht, gibt es dort für die französischsprachigen Länder ein Institut der Missionskongregationen in Abidjan, das ,Institut Catholique Missionnaire d’Abidjan‘ (ICMA). Dort wurde ein Ausbildungszentrum für Missbrauchsprävention eingerichtet, das Fortbildungen für die meisten Diözesen in Elfenbeinküste anbietet.“

Das an diesem Institut angesiedelte Kinderschutzzentrum wurde im vergangene März, wenige Wochen nach dem internationalen Kinderschutzgipfel im Vatikan, eingerichtet. Auch in einem anderen afrikanischen Land, nämlich Kenia, habe sich viel getan, so der Missionar weiter. Dort komme ein Präventionsprogramm in katholischen Schulen zum Einsatz, an dem die Bischofskonferenz des Landes beteiligt sei.

„Dieses Programm ist gut gemacht und wird an allen katholischen Schulen durchgeführt. Es soll Kinder befähigen, sich zu melden, wenn sie sich in ihrer Sicherheit oder körperlichen oder psychischen Integrität beeinträchtigt fühlen. Es gibt solche Initiativen und wir hoffen, dass sie viele Früchte bringen werden.“

Bewusstseinswandel notwendig

Um Missbrauch wirksam zu bekämpfen, brauche es verschiedene parallele Maßnahmen, erinnert der Experte. Die Einrichtung von Anlaufstellen für Betroffene, wie sie der Vatikan für die Ortskirchen gefordert hat, sei ein Schritt: „Das sind Stellen, wo Menschen sich beschweren können, wo sie anrufen können und angehört werden – das ist ein Schritt.“  

Zudem gehe es um eine „Sensibilisierung“ für das Phänomen, die in Pfarreien geleistet werden soll – Stichwort Fortbildungen. Drittens gehe es auch darum, einen Mentalitätswandel einzuleiten, lässt Joulain durchblicken. Es gehe um das Verständnis, dass Missbrauchsprävention der Kirche nicht schadet, sondern ihr dient.

„Die Menschen müssen begreifen, was Missbrauch ist, wie er funktioniert und was man dagegen tun kann. Es geht hier um die Bewusstseinsbildung von Laien und Gläubigen in Gemeinden und von Klerikern und Ordensleuten. Es geht darum, ihnen dabei zu helfen zu verstehen, dass das nicht gegen sie geht, sondern dass es darum geht, dass sie auf gesunde Weise und unter sicheren Bedingungen Dienst tun können.“

Es geht um Schutz

Zu diesem Bewusstseinswandel hat laut Joulain der Kinderschutzgipfel im Vatikan vor einem Jahr beigetragen. Laut Pater Hans Zollner, dem Leiter des päpstlichen Kinderschutzzentrums in Rom, haben dort vor allem die Begegnungen von Bischöfen mit Betroffenen von Missbrauch zu einem solchen Wandel beigetragen – auch in Gegenden, wo bisher zu Missbrauch geschwiegen worden sei. Ähnliches beobachtet auch der französische Afrika-Missionar Joulain:

„Ich denke, es verändert sich etwas. Die Leute sehen, dass es nicht um eine Hexenjagd geht, sondern um Schutz. Und jeder will doch Minderjährige schützen. Es ist keine Hexenjagd, sondern es geht um Schutz der Verletzlichsten. Und ich denke, das ist ein Wendepunkt, hier verändert sich etwas. Aber es gibt noch viele Hindernisse.“

Eines dieser Hindernisse sei etwa die kirchliche Verwaltung, die „sehr langsam und sehr kompliziert“ sei. Hier gebe es immer noch „enorme Schwierigkeiten“ und „Hindernisse“ für viele durch Missbrauch Betroffene, die sich um Gerechtigkeit bemühten, kritisiert der französische Missionar.

Joulain berichtet über Missbrauchsprävention in Abidjan (Video des päpstlichen Kinderschutzzentrums CCP aus dem Jahr 2017)

Task Forces als weitere Maßnahme

Im Kampf gegen Missbrauch in der Kirche will der Vatikan jetzt als weitere Maßnahme sogenannte „Task Forces" einrichten. Diese Teams sollen Bischofskonferenzen weltweit bei der Erarbeitung oder Aktualisierung von Leitlinien zum Kinderschutz unterstützen. Ebenso sollen die Teams vor Ort helfen, weitere Maßnahmen zur Prävention gegen Missbrauch sowie zur Intervention bei Verdachtsfällen anzustoßen.

Vor dem Krisengipfel am 21. bis 24. Februar 2019 im Vatikan waren solche „Task Forces" unter anderem vom Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Hans Zollner, ins Gespräch gebracht worden. Derartige Teams sollten vor allem weniger gut ausgestattete Ortskirchen fachlich und strategisch beraten.

Details zu der Initiative will der Vatikan an diesem Freitag vorstellen.

 

(vatican news)

 

 

 

 

 

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28. Februar 2020, 10:12