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Katholikos-Patriarch Mar Gewargis III (links) bei einer Begegnung mit Papst Franziskus Katholikos-Patriarch Mar Gewargis III (links) bei einer Begegnung mit Papst Franziskus  (AFP)

Irak: Oberhaupt der Apostolischen Kirche des Ostens tritt zurück

Der Katholikos-Patriarch der Apostolischen Kirche des Ostens (Assyrische Kirche), Mar Gewargis III. Sliwa, hat seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen angekündigt. Gleichzeitig berief der 78-Jährige die Bischöfe für den 22. April nach Erbil ein.

Wahl des Nachfolgers bis 27. April

In der Hauptstadt der kurdischen Region des Irak sollen die Bischöfe der assyrischen Kirche bis 27. April einen Nachfolger für Gewargis III. wählen. Öffentlich gemacht wurde dies in einer Erklärung des Generalsekretärs des Heiligen Synods, wie der Pressedienst Fides meldet.

Gewargis (Georg) III. leitete seine Kirche seit September 2015. Am 23. November 1941 im irakischen Habbaniya geboren, studierte er zunächst in Bagdad, dann in den USA. 1980 wurde er zum Priester und schon ein Jahr später zum Erzbischof geweiht und zum Metropoliten des Irak bestimmt. 2015 wurde er Nachfolger von Patriarch Mar Dinkha IV., der 2015 in den USA nach 39-jähriger Amtszeit gestorben war.

Patriarchensitz in Mesopotamien 

Gewargis III. verlegte den Patriarchensitz wieder nach Mesopotamien und knüpfte damit an eine fast 2.000-jährige Tradition an. Die Apostolische Kirche des Ostens ist die Kirche des alten Perserreiches. Ihr Patriarchalsitz war ursprünglich die Doppelstadt Seleukia-Ktesiphon. Nach der islamischen Eroberung wurde dieser Sitz in das neugegründete Bagdad verlegt. Obwohl die Apostolische Kirche immer wieder von den staatlichen Autoritäten verfolgte wurde, entfaltete sie eine starke Missionstätigkeit, vor allem in Mesopotamien, Arabien, Persien, Zentralasien, Indien, China, Japan, teilweise auch in Afrika. Über viele Jahrhunderte war die Apostolische Kirche die flächenmäßig größte aller christlichen Kirchen. Erst die Verfolgung unter dem muslimischen Eroberer Timur Lenk im 14. Jahrhundert führte zu einer Beschränkung auf Mesopotamien.

Nach dem Völkermord im Ersten Weltkrieg gab es Überlegungen einer kollektiven Auswanderung nach Brasilien mit Hilfe des Völkerbunds. Die Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis; der damalige Katholikos-Patriarch entschloss sich aber zur Verlegung seines Sitzes nach Chicago, wo es eine große Diasporagemeinde der assyrischen Kirche gibt.

Dialog ab 1984, ökumenisches Treffen in Bari

Die Assyrische Kirche des Ostens ist eine autokephale und eigenständige Ostkirche syrischer Tradition in Nachfolge des im Sassanidenreich entstandenen altchristlichen Katholikats von Seleukia-Ktesiphon. Der theologische Dialog zwischen der assyrischen und der katholischen Kirche begann offiziell 1984. In einer Erklärung bekräftigten Papst Johannes Paul II. und Katholikos-Patriarch Mar Dinkha IV. 1994 gemeinsame Glaubensüberzeugungen. Bei einer Begegnung im November 2016 in Rom schlug Gewargis III. Papst Franziskus vor, ein Treffen der Patriarchen und Oberhäupter der Ostkirchen einzuberufen, um die Lage im Nahen Osten zu erörtern, gemeinsam zu beten und nach Lösungen für die Probleme zu suchen. Dieses ökumenische Treffen fand im Juli 2018 in Bari statt. Ende 2018 gab es eine weitere Begegnung zwischen Franziskus und Gewargis III.

(fides/kna – pr)

22 Februar 2020, 12:55