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Erzbischof Stanislav Zore bei der Christmette in der Laibacher Kathedrale Erzbischof Stanislav Zore bei der Christmette in der Laibacher Kathedrale 

Slowenische Bischöfe verteidigen Vorgehen gegen Missbrauch

Nach Rücktrittsaufforderungen gegen den Laibacher Erzbischof und Bischofskonferenz-Vorsitzenden Stanislav Zore haben die slowenischen Bischöfe ihr Vorgehen bei Aufarbeitung und Prävention von Missbrauchsfällen in der Kirche mit Nachdruck verteidigt.

Der von einer Opferschutz-Initiative vorgebrachte Ruf nach einem Rücktritt sei „unberechtigt“, sagte Bischofskonferenzsprecher David Kraner in einer Erklärung vom Donnerstag. Erzbischof Zore sei „ein entschlossener Befürworter des Schutzes von Kindern in der Kirche wie auch in der slowenischen Gesellschaft“.

Die Bischöfe hätten unter Zores Führung eine Serie an Maßnahmen zum Schutz von Kindern getroffen, um eine „Null-Toleranz-Linie“ bei Missbrauch umzusetzen. Bei der jüngsten Bischofskonferenz-Versammlung sei erst zu Wochenbeginn eine neuerliche Aktualisierung der bestehenden Richtlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen beschlossen worden.

Jeder Missbrauchsverdacht muss den Behörden gemeldet werden

Die Richtlinien enthalten in der slowenischen Kirche u.a. die Verpflichtung, jeden Missbrauchsverdacht bei staatlichen Behörden zu melden. Außerdem seien etwa zuletzt die Verjährungsfristen verlängert und die Einrichtung eines Spezialfonds beschlossen worden, teilte die Bischofskonferenz mit. Aus diesem solle psychotherapeutische Hilfe für Menschen finanziert werden, die Opfer von Missbrauch oder sexueller Gewalt durch Geistliche geworden sind, und zwar auch in Fällen, wo ein Gerichtsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

„Systematische Vertuschung“ vorgeworfen

Vertreter der Bürgerinitiative „Dovolj.je (Es reicht)“, die sich mit dem Schutz der Opfer von sexuellen Missbrauch in der Kirche beschäftigt, hatte zuvor bei einem Pressetermin am Mittwoch der katholischen Kirche in Slowenien eine „systematische Vertuschung“ von Missbrauchsfällen vorgeworfen und den Rücktritt von Erzbischof Zore gefordert. Eine von der Kirche eingerichtete Expertenkommission sei „inkompetent und untätig“, kritisierte die Initiative und forderte eine unabhängige Kommission, die sich schnell und konsequent mit Missbrauchsfällen auseinandersetzen soll.

Die slowenische Kirche verabschiede immer wieder neue oder aktualisiere bestehende Empfehlungen zur Behandlung von Missbrauchsvorwürfen, „doch alles bleibt nur auf dem Papier“, kritisierte Igor Vovk. „Im Jahr 2020 ist das für die Kirche nicht akzeptabel, noch weniger für die Kirche unter Papst Franziskus“, fügte er hinzu.

„Einige Fälle werden ignoriert“

Die seit knapp einem Jahr tätige Bürgerinitiative hat bisher 38 Aussagen von Opfern gesammelt, die Missbrauchsvorwürfe gegen insgesamt 22 Geistliche erhoben haben. Während einige Fälle entsprechend behandelt worden seien, werden andere weiterhin ignoriert, lautet die Kritik. Die Großzahl der Fälle wird den Behörden auch angezeigt, doch bei den meisten ist bereits formell Verjährung eingetreten. Auch wenn die strafrechtliche Verfolgung der Täter oft nicht mehr möglich ist, könnte die Kirche gegen sie vorgehen, findet die Initiative.

Keine Klärung „über Nacht“ möglich

Der Bischof von Murska Sobota, Peter Stumpf, drohte unterdessen im Fall eines Rückzugs von Erzbischof Zore mit seinem eigenen Rücktritt. Die Bischöfe würden in Sachen Missbrauchsaufarbeitung „ihr Bestes geben“, könnten aber „keine Wunder wirken“, hielt er in einer eigenen Erklärung fest.

Er wisse um das Leid von Missbrauchsopfern, versicherte Stumpf, und stelle sich in seiner eigenen Diözese dem Missbrauchsproblem. Dabei werde er von Experten beraten und arbeite auch mit Bürgerinitiativen zusammen, die sich im Kinderschutz engagieren. Verfahren dauerten „sehr lange“, und Sachexperten müssten hinzugezogen werden. Es sei daher klar, dass „nicht alle Fälle über Nacht geklärt werden“ könnten.

(kap – sk)
 

17 Januar 2020, 14:54