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Erntehelferin aus Afrika Erntehelferin aus Afrika  (ANSA)

Studie: Unbezahlte Frauenarbeit verschärft soziale Ungleichheit

Unbezahlte Frauenarbeit verschärft weltweit die soziale Ungleichheit. Das geht aus einem Oxfam-Bericht hervor, den die Hilfsorganisation zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums am Montag in Davos veröffentlichte. In der Studie „Time to care“ werden gleich mehrere Skandale aufgeführt.

Bis ins Weltall schreiende Ungerechtigkeit

Demnach hatten im Jahr 2019 2.153 Milliardäre weltweit zusammen mehr Reichtum als 4,6 Milliarden Menschen. Oxfam veranschaulicht solche Ungleichheiten mit einem plastischen Bild: Wenn jeder Mensch auf einem Stapel von 100-Dollar-Geldscheinen sitzen würde, der sein Vermögen symbolisiert, würden die beiden reichsten Männer im Weltraum sitzen – die Mittelschicht eines Landes dagegen auf einem Stuhl, die große Mehrheit der Menschheit aber am Boden. Die Entwicklungsorganisation beklagt hierbei eine wachsende Ungleichverteilung bei den Vermögen. Dabei verwies sie auf Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg, wonach das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen sei.

Extreme Benachteiligung von Frauen

Die Hilfsorganisation arbeitet in ihrem Bericht Ungerechtigkeiten bei Entlohnung und der Verteilung von Vermögen zwischen den Geschlechtern heraus und führt auch Fallbeispiele aus einzelnen Ländern dazu an. Es seien vor allem Frauen und Mädchen, die weltweit den Löwenanteil an Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit leisteten, ohne aber dafür entlohnt zu werden, so Oxfam. Pro Tag mache dies weit über zwölf Milliarden Stunden aus. Bei einem Mindestlohn entspräche dies einem Gegenwert von über elf Billionen US-Dollar pro Jahr.

„Ein Wirtschaftssystem, das vor allem für wohlhabende Männer funktioniert“

Der gemeinsame Reichtum der weltweit 22 reichsten Männer mache mehr als der Besitz aller Frauen in Afrika aus, so die Hilfsorganisation weiter, die auch auf Unterschiede zwischen den Kontinenten eingeht. Mit Blick auf die unentgeltliche Arbeit von Frauen sprach die Sozialexpertin von Oxfam, Ellen Ehmke, von einem Wirtschaftssystem, „das vor allem für wohlhabende Männer funktioniert“. Frauen seien besonders häufig von Armut und Altersarmut bedroht. Nach UN-Angaben steige das Risiko von Frauen, in extremer Armut zu leben, „wenn sie Kinder gebären, versorgen und großziehen“.

Mehr Investitionen in das Gemeinwohl

Vor Hintergrund dieser Ergebnisse fordert Oxfam unter anderem mehr Investitionen in Kinderbetreuung, Pflegeeinrichtungen und andere öffentliche Infrastrukturen sowie ein gerechtes Steuersystem, um dies zu finanzieren. Zudem verlangt die Hilfsorganisation, Programme für Frauenrechte und -organisationen stärker zu unterstützen. Konzerne und Personen mit sehr großen Vermögen sollten mehr zum Allgemeinwohl beitragen. Schon mit geringer zusätzlicher Besteuerung der weltweit Reichsten könne man Millionen von Arbeitsplätzen schaffen, etwa in den Bereichen Bildung, Gesundheits- und Altenpflege, rechnet Oxfam vor.  

(oxfam/kna – pr)

20 Januar 2020, 11:29